Ungarn droht ein jährlicher Verlust von 50.000 Arbeitskräften, die Einführung von KI hinkt hinter Europa hinterher, warnen Experten

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Der ungarische Arbeitsmarkt steht vor einer kritischen Phase, da der demografische Rückgang, der Arbeitskräftemangel und die langsame Einführung künstlicher Intelligenz am Arbeitsplatz zusammenkommen und das schaffen, was Wirtschaftsführer als „perfekten Sturm“ bezeichnen. Experten, die auf dem von der Prohuman Group, der Ungarischen Industrie- und Handelskammer (MKIK) und dem Verband der Joint Ventures organisierten Wirtschaftsgipfel sprachen, warnten, dass die Herausforderungen keine zukünftigen Risiken mehr seien, sondern bereits Realität.

Die Erwerbsbevölkerung schrumpft jährlich um 50.000 Menschen

Laut den Referenten der Konferenz verlassen jedes Jahr etwa 50.000 Menschen mehr den ungarischen Arbeitsmarkt, als neu hinzukommen. Da große Jahrgänge das Rentenalter erreichen und immer weniger junge Menschen in den Arbeitsmarkt eintreten, wird sich diese Lücke bis zum Ende des Jahrzehnts voraussichtlich weiter vergrößern.

„Der Sturm auf dem Arbeitsmarkt kommt nicht erst – er ist bereits da“, sagte Sándor Zakor, Vorstandsvorsitzender der Prohuman Group. Er wies darauf hin, dass der demografische Rückgang nicht nur Ungarn, sondern weite Teile Europas betreffe, wobei sinkende Geburtenraten die Zahl der jungen Arbeitskräfte verringern, die als Ersatz für Rentner zur Verfügung stehen.

Die Situation führt bereits jetzt in zahlreichen Branchen zu Schwierigkeiten bei der Personalbeschaffung, während Unternehmen zunehmend Schwierigkeiten haben, qualifizierte Mitarbeiter zu finden.

Ungarn liegt in Europa beim Einsatz von KI am Arbeitsplatz an letzter Stelle

Obwohl künstliche Intelligenz weithin als potenzielle Lösung für den Arbeitskräftemangel diskutiert wird, wiesen Experten darauf hin, dass Ungarn derzeit die Vorteile dieser Technologie am Arbeitsplatz nicht nutzt.

Während die Ungarn KI-Tools in ihrem Privatleben zunehmend nutzen, ist die Akzeptanz am Arbeitsplatz nach wie vor äußerst gering. Auf dem Gipfel vorgestellte Daten zeigten, dass nur 1,3 % der ungarischen Arbeitnehmer KI im Rahmen ihrer Arbeit nutzen, verglichen mit einem europäischen Durchschnitt von 15,5 %.

Die Referenten warnten, dass Ungarn damit im europäischen Vergleich das Schlusslicht bildet und die Wettbewerbsfähigkeit des Landes geschwächt werden könnte, während Unternehmen auf dem gesamten Kontinent ihre digitale Transformation vorantreiben.

Mehrere Experten betonten jedoch, dass KI allein den Arbeitskräftemangel nicht lösen werde. Hajnalka Csorbai, Präsidentin der Joint Venture Association, merkte an, dass eine gesteigerte Produktivität bei Büroangestellten nicht automatisch mehr Arbeitskräfte für Tätigkeiten in der Fertigung oder Logistik schaffe.

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Der Mittelklassefalle entkommen

Ein wiederkehrendes Thema während der gesamten Veranstaltung war Ungarns Kampf gegen die sogenannte Mittelklassefalle.

MKIK-Präsident Elek Nagy argumentierte, dass langfristiges Wirtschaftswachstum eine deutliche Steigerung der Produktivität und der Wertschöpfung erfordern werde. Er zog Vergleiche mit Ländern wie Singapur, Taiwan und Südkorea und erklärte, erfolgreiche Volkswirtschaften hätten sich aus ähnlichen Situationen befreit, indem sie massiv in Wissen, Bildung und Innovation investiert hätten.

Laut Nagy erfordert eine wissensbasierte Wirtschaft ein umfassendes Ökosystem, das berufliche Bildung, Erwachsenenbildung, Hochschulbildung, Forschung und Entwicklung sowie Innovation umfasst.

Die Kammer arbeitet derzeit an einem neuen Qualitätssicherungsrahmen für Erwachsenenbildungsprogramme, mit dem Ziel, die Standards zu verbessern und eine effektivere Nutzung öffentlicher Mittel sicherzustellen.

Bildungssystem wegen mangelnder Vorbereitung der Schüler kritisiert

Mehrere Redner argumentierten, dass das ungarische Bildungssystem junge Menschen nicht angemessen auf eine sich rasch wandelnde Wirtschaft vorbereite.

Zakor sagte, das Hauptproblem sei nicht unbedingt ein Mangel an Fachwissen, sondern das Fehlen von Fähigkeiten, die es den Menschen ermöglichen, kontinuierlich zu lernen und sich anzupassen. Kommunikation, Zusammenarbeit, Problemlösung und selbstständiges Lernen gewinnen auf einem von technologischem Wandel geprägten Arbeitsmarkt zunehmend an Bedeutung.

Da Reformen im öffentlichen Bildungswesen Jahre brauchen, um Ergebnisse zu erzielen, schlugen Experten vor, dass Erwachsenenbildung und berufliche Weiterbildung den schnellsten Weg zur Verbesserung der Qualifikationen der Arbeitskräfte bieten.

Derzeit nehmen nur 9,6 % der Ungarn an berufsbegleitenden Bildungsmaßnahmen teil, womit das Land zu den Ländern mit den schwächsten Leistungen in der Europäischen Union zählt.

Ältere Arbeitnehmer könnten zunehmend an Bedeutung gewinnen

Der Datenwissenschaftler Károly Bozsonyi, Vizerektor der John-von-Neumann-Universität, wies auf eine weitere mögliche Lösung hin: ältere Arbeitnehmer länger im Erwerbsleben zu halten.

Er wies darauf hin, dass die Generation X derzeit das Rückgrat des ungarischen Arbeitsmarktes bildet, viele Angehörige dieser Generation jedoch innerhalb der nächsten fünf Jahre in den Ruhestand treten werden. Da die Generation Z zahlenmäßig kleiner ist, wird es weniger Arbeitskräfte geben, die sie ersetzen können.

Laut Bozsonyi erfordert die Aufrechterhaltung der Erwerbsbeteiligung älterer Arbeitnehmer eine bessere Gesundheitsversorgung und politische Maßnahmen, die längere Berufslaufbahnen fördern.

Er argumentierte zudem, dass die Gesundheitsversorgung nicht nur als soziale Dienstleistung, sondern als wichtige wirtschaftliche Investition betrachtet werden sollte, da gesunde Arbeitnehmer für Produktivität und Wachstum unerlässlich sind.

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Ausländische Arbeitskräfte und Automatisierung könnten eine größere Rolle spielen

Auf dem Gipfel wurde zudem erörtert, wie Unternehmen durch internationale Personalbeschaffung und Automatisierung auf den Arbeitskräftemangel reagieren.

Vertreter großer Arbeitgeber stellten fest, dass ausländische Arbeitskräfte in Branchen, in denen das inländische Arbeitskräfteangebot nicht ausreicht, zunehmend an Bedeutung gewinnen. Einige Wirtschaftsführer warnten, dass strengere Beschränkungen für Gastarbeiter künftige Investitionsentscheidungen beeinträchtigen könnten.

Gleichzeitig treiben Unternehmen ihre Investitionen in Robotik und Automatisierung voran. Mehrere Redner argumentierten, dass die vierte industrielle Revolution bereits im Gange sei und von den Mitarbeitern die Entwicklung neuer technologischer und kreativer Fähigkeiten erfordere.

Die auf der Veranstaltung vorgestellten Beispiele zeigten, dass KI-gestützte Automatisierung die Produktivität erheblich steigern und gleichzeitig eine Nachfrage nach Arbeitskräften schaffen kann, die in der Lage sind, fortschrittliche Systeme zu entwickeln, zu verwalten und zu optimieren.

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Ein Wettlauf gegen die Zeit

Trotz unterschiedlicher Sichtweisen waren sich die Teilnehmer in einem Punkt weitgehend einig: Die Wettbewerbsfähigkeit Ungarns in den nächsten zehn Jahren wird stark davon abhängen, wie effektiv das Land sein Humankapital entwickelt.

Bevölkerungsrückgang, Fachkräftemangel und technologischer Wandel verändern den Arbeitsmarkt gleichzeitig grundlegend. Die Experten kamen zu dem Schluss, dass Investitionen in Bildung, Erwachsenenbildung, Innovation und die Entwicklung der Arbeitskräfte nicht mehr optional sind, wenn Ungarn wettbewerbsfähig bleiben will.

Wie ein Redner es formulierte, geht es nicht mehr darum, ob Maßnahmen erforderlich sind, sondern darum, wie schnell sich das Land anpassen kann.

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