Was ungarische Unternehmen von der Expansion von Finta Studio nach Österreich lernen können

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Nachdem das ungarische Technologieunternehmen Hiflylabs kürzlich in einem Interview mit Daily News Hungary Deutsch erläutert hatte, warum der Einstieg in den österreichischen Markt als strategisches Tor zum deutschsprachigen Raum dienen kann, teilt nun Finta Studio, eines der renommiertesten Architekturbüros Ungarns, seine eigenen Erfahrungen und Erkenntnisse sowohl zu den Chancen als auch zu den Herausforderungen einer Expansion nach Österreich.
In unserem Gespräch mit Péter Farkas, COO von Finta Studio Österreich Architekten ZT GmbH, wurde eines sehr schnell deutlich: Um in Österreich erfolgreich zu sein, bedarf es weit mehr als nur eines etablierten Namens auf dem Heimatmarkt.
Eine ungarische Institution mit internationalen Ambitionen
Das von Dr. József Finta gegründete Finta Studio ist seit Jahrzehnten einer der prägenden Namen der ungarischen Architektur. Zahlreiche Gebäude, die heute die moderne Skyline von Budapest prägen, wurden von dem Unternehmen entworfen. Dazu gehören das Szervita-Platz-Gebäude, das Budapest Marriott Hotel, der MOL-Campus sowie die Agora Budapest, wo das Interview mit Daily News Hungary Deutsch stattfand. Laut Farkas arbeitet das Unternehmen seit Jahren nach höchsten technischen Standards und entwickelt Projekte, die internationale Nachhaltigkeitszertifizierungen wie LEED und BREEAM erfüllen. Doch selbst ein so guter Ruf garantiert nicht automatisch den Erfolg im Ausland.

Das Vertrauen potenzieller Partner muss vor Ort neu aufgebaut werden
„Aufgrund unserer ersten Monate in Österreich haben wir den Eindruck gewonnen, dass sich selbst ein guter Ruf im eigenen Land nicht automatisch auf das Ausland übertragen lässt. Das Vertrauen potenzieller Partner muss vor Ort neu aufgebaut werden.“ Farkas betont, dass ein Unternehmen zwar in Ungarn Marktführer sein, über jahrzehntelange Erfahrung verfügen und beeindruckende Referenzprojekte vorweisen kann – doch auf einem ausländischen Markt muss sich das Vertrauen von Grund auf neu verdienen. Genau aus diesem Grund ist eine lokale Präsenz unerlässlich.
Warum Österreich mehr bedeutet als nur Österreich
Laut Farkas war die Wahl Österreichs eine sehr bewusste Entscheidung. Neben der geografischen Nähe und der kulturellen Vertrautheit bietet Österreich Zugang zu deutlich größeren Märkten. „Der Aufbau einer Präsenz in Österreich kann den Zugang zur gesamten DACH-Region eröffnen, wobei dies natürlich vom Unternehmensprofil und der langfristigen Strategie abhängt.“ Laut Farkas reichen die Vorteile sogar noch weiter: Sobald ein Unternehmen vor Ort registriert ist und über die erforderlichen Lizenzen verfügt, eröffnen sich Chancen nicht nur in Österreich, sondern oft auch in Deutschland, der Schweiz und anderen europäischen Märkten. Österreich wird somit zu einem strategischen Sprungbrett weit über den heimischen Markt hinaus.

Warum ein Büro in Wien Vertrauen schafft
Ein weiterer wichtiger Punkt, den Farkas im Interview wiederholt hervorhob, war das Vertrauen. In projektintensiven Branchen wie Architektur, Ingenieurwesen oder Immobilienentwicklung reicht fachliche Kompetenz allein nicht aus. Auch die offizielle Präsenz eines Unternehmens spielt eine Rolle. Farkas schilderte ein konkretes Beispiel aus seiner bisherigen Berufserfahrung: Ein potenzieller Kunde gab offen zu, dass er zögerte, mit einem Unternehmen ohne lokale Präsenz zusammenzuarbeiten – unter anderem aus rechtlichen und organisatorischen Gründen. Laut Farkas kann eine österreichische Unternehmenspräsenz in solchen Situationen einen entscheidenden Unterschied ausmachen. „Eine lokale Marktpräsenz sorgt in vielen Geschäftsgesprächen sofort für eine andere Wahrnehmung und zusätzliche Glaubwürdigkeit.“
Anderer Markt, andere Faktoren
Farkas äußert sich besonders offen, wenn es um den Wettbewerb geht. Er kritisiert unverblümt eine Geschäftsmentalität, die in Teilen Mittel- und Osteuropas lange Zeit als Wettbewerbsvorteil galt: „Einfach nur günstig zu sein, reicht unserer Erfahrung nach auf dem österreichischen Markt nicht aus, da bei Ausschreibungen in der Regel mehr Wert auf Qualität und technische Kriterien gelegt wird als auf den Preis allein.“ Unternehmen, die in Österreich erfolgreich sein wollen, müssen sich durch Qualität, Innovation und messbare Leistung im Wettbewerb behaupten. Farkas erklärt, dass österreichische Ausschreibungen deutlich weniger preisorientiert sind, als viele Unternehmer zunächst annehmen. In vielen Vergabeverfahren macht der Preis nur etwa 30 Prozent der Gesamtbewertung aus. Zu den übrigen Kriterien zählen in der Regel technische Qualität, Referenzen, Innovation und Lösungskompetenz. „Wenn Ihr einziger Wettbewerbsvorteil der Preis ist, wird es sehr schwierig.“ Genau aus diesem Grund betrachtet Farkas Österreich als einen echten Qualitätstest für Unternehmen.

Unterstützung beim Markteintritt durch die Austrian Business Agency
Ein weiterer entscheidender Erfolgsfaktor beim Markteintritt war laut Farkas die Unterstützung durch die Austrian Business Agency (ABA). Die staatliche Investitionsagentur unterstützte Finta Stúdió nicht nur bei regulatorischen Fragen, Verwaltungsabläufen und organisatorischen Prozessen, sondern spielte laut Farkas auch eine besonders wertvolle Rolle bei der Kommunikation mit österreichischen Behörden und institutionellen Akteuren. In einer stark regulierten Branche wie der Architektur kann ein etablierter lokaler Partner dazu beitragen, Prozesse zu beschleunigen und einem neuen Marktteilnehmer zusätzliche Glaubwürdigkeit zu verleihen. Farkas betont, dass sich die Unterstützung durch die ABA insbesondere bei offiziellen Gesprächen und Verwaltungsverfahren als greifbarer Vorteil erwiesen habe.
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Österreich ist kein einfacher Markt, aber ein fairer
Trotz hoher bürokratischer Anforderungen zieht Farkas bislang ein positives Fazit. Österreich ist anspruchsvoll, stark reguliert und äußerst wettbewerbsintensiv – aber gleichzeitig transparent und fair. „Wenn man Qualität liefert, eine klare Strategie verfolgt und bereit ist, sich in einem echten Wettbewerbsumfeld zu beweisen, lohnt sich dieser Schritt auf jeden Fall.“ Obwohl die operativen Aktivitäten von Finta Studio in Österreich erst vor wenigen Monaten begonnen haben, hat das Unternehmen bereits erste Kontakte geknüpft, Netzwerke aufgebaut und konkrete Geschäftsmöglichkeiten identifiziert.
Ratschläge für andere ungarische Unternehmen
Abschließend richtet Farkas eine klare Botschaft an andere ungarische Unternehmen, die eine Expansion nach Österreich in Betracht ziehen: Marktanteil oder Größe auf dem Heimatmarkt sind nicht das Wichtigste. Die eigentlichen Fragen lauten: Ist unser Produkt wirklich international wettbewerbsfähig? Können wir auf einem Markt erfolgreich sein, auf dem Qualität mehr zählt als persönliche Beziehungen? Sind wir bereit, wieder bei Null anzufangen? „Wenn die Antwort ‚Ja‘ lautet, sollten Sie diesen Schritt auf jeden Fall wagen.“ Für einen ersten Überblick empfiehlt Farkas ausdrücklich, sich an die Austrian Business Agency zu wenden, die ungarischen Unternehmen kostenlose Unterstützung und Beratung bei Investitionen und der Expansion nach Österreich bietet.
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