Orbáns neue Kulturstätte in Jerusalem entsteht in einem Luxusviertel, doch Finanzierung und Unterlagen bleiben im Verborgenen

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Eine neu gegründete ungarische Kultureinrichtung in Jerusalem hat Aufmerksamkeit erregt, nachdem Berichte einen Mangel an öffentlich zugänglichen Unterlagen zu ihrem rechtlichen Status, ihrer Finanzierung und ihrem Betrieb aufgedeckt hatten. Laut einer investigativen Recherche von Átlátszó scheint die Akademie als Teil des ungarischen Kulturdiplomatie-Netzwerks zu fungieren, doch wichtige Details zu ihrer Gründung sind unklar.

Akademie in einem vornehmen Stadtteil Jerusalems eröffnet

Die „Jeruzsálemi Magyar Akadémia“ (Ungarische Akademie in Jerusalem) wurde im Dezember 2025 offiziell im gehobenen Stadtteil Talbiyeh eröffnet, einem der prestigeträchtigsten Viertel Jerusalems. Laut Átlátszó befindet sich die Einrichtung in bester Lage in der Nähe des Gebäudes des YMCA (Young Men’s Christian Association) sowie mehrerer diplomatischer Vertretungen, darunter die tschechische und die slowakische Vertretung.

Die Akademie präsentiert sich als Aushängeschild der ungarischen Kulturdiplomatie und hat eine eigene wissenschaftliche Zeitschrift ins Leben gerufen, das „Hungarian Academy in Jerusalem Journal“. Trotz ihres öffentlichkeitswirksamen Images liegen jedoch kaum überprüfbare Informationen über ihre rechtliche Grundlage, ihr Budget oder ihre Eigentümerstruktur vor.

Keine eindeutigen öffentlichen Angaben zur Finanzierung oder rechtlichen Grundlage

Átlátszó berichtet, dass im Zusammenhang mit der Einrichtung weder ein Gründungsdekret noch ein Regierungsbeschluss oder offizielle Haushaltsunterlagen gefunden wurden. Die Website der Akademie enthält nur minimale Informationen, lässt grundlegende Transparenzelemente wie ein Impressum vermissen und liefert keine Details zu Personal, Finanzierungsquellen oder Führungsstruktur.

hungarian academy in jerusalem facebook page
Die offizielle Facebook-Seite der Akademie wurde erst im April 2026 eingerichtet, Monate nach der Eröffnung im Jahr 2025. Screenshot: Facebook/Ungarische Akademie in Jerusalem

Dennoch ist die Einrichtung als Teil des Netzwerks „culture.hu“ aufgeführt, was darauf hindeutet, dass sie möglicherweise dem ungarischen Kultur- oder Außenministerium untersteht. Weder das Ministerium für Kultur und Innovation noch das Ministerium für Auswärtige Angelegenheiten und Handel hat laut der Untersuchung erkennbare Haushaltsmittelzuweisungen oder formelle Vereinbarungen im Zusammenhang mit der Akademie veröffentlicht.

Leitung und akademische Aktivitäten

Die Akademie wird von dem klassischen Archäologen Győző Vörös geleitet, der bis 2030 zum Direktor ernannt wurde. Vörös wurde zuvor mit einer Auszeichnung des Vatikans geehrt und verfügt über einen umstrittenen akademischen Werdegang, der unter anderem frühere Debatten über archäologische Interpretationen in Ägypten umfasst.

Er hat die Einrichtung als Teil einer historischen Erzählung über die Präsenz Ungarns in Jerusalem beschrieben und sie als Fortsetzung jahrhundertealter kultureller Verbindungen dargestellt. Die Akademie hat zudem begonnen, eine eigene englischsprachige Fachzeitschrift herauszugeben, in der ungarische Wissenschaftler Beiträge veröffentlichen, darunter auch Persönlichkeiten, die zuvor mit verteidigungsbezogenen Forschungseinrichtungen in Verbindung standen.

Diplomatische oder kulturelle Mission?

Israelische Medien haben die Einrichtung Berichten zufolge nicht nur als Kulturzentrum, sondern in einigen Fällen auch als „ausländische Vertretung“ oder „Außenstelle einer Botschaft“ bezeichnet, was Fragen hinsichtlich ihres genauen diplomatischen Status aufwirft. Die „Times of Israel“ berichtete zuvor, dass Ungarn über der neu gegründeten Einrichtung„seine Flagge gehisst“ habe. Die Akademie ist jedoch weder im israelischen Register für gemeinnützige Organisationen noch im Unternehmensregister verzeichnet, was ihre Einordnung noch weiter erschwert.

Budget unbekannt, Tätigkeit begrenzt

Laut Átlátszó gibt es weder ein öffentlich einsehbares Budget für die Akademie noch Transparenz hinsichtlich des Personalbestands oder der Betriebskosten. Der Veranstaltungskalender der Einrichtung weist Berichten zufolge seit ihrer Eröffnung keine öffentlich zugänglichen Veranstaltungen auf, obwohl die akademische Publikation und der Online-Auftritt bereits gestartet wurden. Die Untersuchung stellt zudem fest, dass auf Informationsanfragen, die an die zuständigen ungarischen Ministerien und staatlichen Stellen gerichtet wurden, keine Antworten eingegangen sind.

Teil der Strategie zur Kulturdiplomatie

Die Gründung der Akademie in Jerusalem folgt auf frühere ungarische diplomatische Initiativen in der Stadt, darunter die Eröffnung einer ungarischen Handelsvertretung im Jahr 2019, die gemeinsam vom israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und Außenminister Péter Szijjártó eingeweiht wurde. Während Befürworter die Akademie als Teil der langjährigen kulturellen Präsenz Ungarns in Jerusalem beschreiben, stellen Kritiker, die in dem Bericht zitiert werden, deren Transparenz und institutionelle Klarheit in Frage.

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