Orbáns Sohn in einem nicht öffentlichen Regierungsbeschluss zum Leiter der medizinischen Mission im Tschad ernannt

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Neu erhaltene Dokumente deuten darauf hin, dass Gáspár Orbán eine weitaus bedeutendere Rolle bei Ungarns umstrittener Tschad-Mission gespielt hat, als bisher eingeräumt wurde.

Gáspár Orbán, der Sohn des ehemaligen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, wurde laut offiziellen Dokumenten, die der ungarischen Nachrichtenseite 444.hu vorliegen, in einem nicht öffentlichen Regierungsbeschluss als Verantwortlicher für die Leitung einer ungarischen medizinischen Mission im Tschad benannt.

Die Dokumente werfen ein neues Licht auf die Rolle, die der Sohn des ehemaligen Ministerpräsidenten bei der geplanten afrikanischen Mission Ungarns spielte, und deuten darauf hin, dass seine Zuständigkeiten weit über die bloße Teilnahme an den Vorbereitungen hinausgingen.

Laut 444.hu umfassen die Dokumente nicht öffentliche Regierungsbeschlüsse und Aufzeichnungen im Zusammenhang mit der Mission. Sie zeigen Berichten zufolge, dass Gáspár Orbán eine Führungsposition sowohl gegenüber dem Militärpersonal als auch gegenüber dem Koordinator der medizinischen Mission innehatte.

Gáspár Orbán zum Leiter der medizinischen Mission ernannt

Zwischen dem 21. September und dem 5. Oktober 2023 reiste eine medizinische Mission in den Tschad. Ein nicht öffentlicher Regierungsbeschluss zu dieser Mission benannte Berichten zufolge Gáspár Orbán als den Verantwortlichen für die Leitung der gesamten medizinischen Mission.

Das Dokument ordnete sowohl die militärische Führung als auch den Koordinator der medizinischen Mission seiner Weisungsbefugnis unter. Der ungarische Konsul war Berichten zufolge die einzige Person auf derselben Ebene in der Organisationsstruktur, obwohl dem Konsul keine weiteren Beamten unterstellt waren.

Aus den Dokumenten geht zudem hervor, dass Gáspár Orbán bei einer früheren Mission im Niger eine führende Rolle gespielt hat.

Einem Dokument zufolge sollen „Hungary Helps“ und die Ungarische Universität für Landwirtschaft und Lebenswissenschaften gemäß den Anweisungen des Koordinationsbüros gehandelt haben, das von „Gáspár O.“ geleitet wurde.

Aus der Niger-Mission wurde später eine Operation im Tschad

Die ursprünglichen Pläne konzentrierten sich Berichten zufolge auf den Niger, doch die politischen Entwicklungen in dem westafrikanischen Land veranlassten Ungarn, das Ziel zu ändern.

Der Tschad rückte daraufhin in den Mittelpunkt des Projekts, das über eine reine Militäroperation hinausging. Laut Telex beschrieb der damalige Außenminister Péter Szijjártó die Initiative, als er sie im Dezember 2023 ankündigte, als eine Zusammenarbeit in den Bereichen Sicherheit, Wirtschaft, humanitäre Hilfe und Bildung.

Aus Dokumenten, die 444.hu vorliegen, geht Berichten zufolge hervor, dass Gáspár Orbán Mitglied der im Zusammenhang mit der Tschad-Mission eingerichteten Afrika-Arbeitsgruppe (MUCS) war.

Die Dokumente deuten jedoch darauf hin, dass sein Engagement weit über eine gewöhnliche Mitgliedschaft hinausging. Laut der Berichterstattung von 444.hu weisen mehrere interne Dokumente darauf hin, dass Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Projekt seiner Zustimmung bedurften.

Regierungsvertreter gaben widersprüchliche Aussagen ab

Die nun veröffentlichten Dokumente scheinen im Widerspruch zu früheren Aussagen ungarischer Regierungs- und Militärvertreter über die Beteiligung von Gáspár Orbán zu stehen.

Im April bestätigte der damalige Generalstabschef Gábor Böröndi, dass der Sohn des ehemaligen Ministerpräsidenten an der Regierungsarbeitsgruppe teilgenommen habe, die sich mit dem Einsatz im Tschad befasste. Gleichzeitig bezeichnete Böröndi jedoch Behauptungen, Gáspár Orbán habe die Gruppe geleitet, als „grobe Übertreibung“.

„Wir hatten ein eigens dafür eingerichtetes Planungsteam, das von meinem Stellvertreter, Generalleutnant Ferenc Kajári, geleitet wurde“, erklärte Böröndi damals.

Der ehemalige Regierungsminister Gergely Gulyás hatte zuvor behauptet, Gáspár Orbán habe bei der Vorbereitung der Tschad-Mission keine Rolle gespielt.

Der ehemalige Verteidigungsminister Kristóf Szalay-Bobrovniczky hatte jedoch eine andere Darstellung abgegeben. Sowohl in einem Interview als auch bei einer parlamentarischen Anhörung im Jahr 2024 erklärte er, Gáspár Orbán sei an der Vorbereitung der Mission beteiligt gewesen, nachdem er in das Ministerkabinett berufen worden war.

Orbáns Sohn war bereits mit der geheimen Mission in Verbindung gebracht worden

Gáspár Orbáns Beteiligung an der Afrika-Operation erregte erstmals Anfang 2024 breite Aufmerksamkeit, als die investigative Nachrichtenplattform Direkt36 über seine Rolle berichtete. Die Plattform veröffentlichte Fotos und Videos, die offenbar zeigen, wie er persönlich an Verhandlungen der ungarischen Delegation im Tschad teilnahm.

Vor kurzem erklärte Hauptmann Szilveszter Pálinkás gegenüber Telex, dass Gáspár Orbán nach seinem Abschluss an der Royal Military Academy im Vereinigten Königreich, wo er den Rang eines Oberleutnants innehatte, ein Büro im Karmelita-Komplex in Budapest erhalten habe. Laut Pálinkás begann er anschließend mit der Planung des Afrika-Einsatzes.

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