Die Ukraine macht eine bedeutende Geste gegenüber Ungarn und verurteilt offiziell die sowjetischen Gräueltaten gegen die ungarische Bevölkerung in Transkarpatien

Sprache ändern:

Das ukrainische Parlament hat eine wichtige Geste gegenüber Ungarn gesetzt, indem es die von der sowjetischen Militärverwaltung in Transkarpatien zwischen 1944 und 1946 begangenen Verbrechen offiziell anerkannt und verurteilt hat.

Die Werchowna Rada verabschiedete die Erklärung einstimmig: 261 Abgeordnete stimmten dafür, es gab keine Gegenstimmen und keine Enthaltungen.

In der Entschließung werden insbesondere die massiven Repressionen gegen die ungarische Zivilbevölkerung der Region anerkannt, darunter der berüchtigte „Malenky Robot“, bei dem Tausende Zivilisten in Arbeitslager in der Sowjetunion deportiert wurden, wie die Ungarische Demokratische Allianz in der Ukraine berichtete.

Der Beschluss fällt in eine besonders heikle Phase der ungarisch-ukrainischen Beziehungen, da Ungarn weiterhin bestimmte Schritte im EU-Beitrittsprozess der Ukraine blockiert und Kiew wiederholt aufgefordert hat, sich mit den Rechten der ungarischen Minderheit in Transkarpatien auseinanderzusetzen.

Die Ukraine verurteilt offiziell die Verbrechen aus der Sowjetzeit

Der Erklärung zufolge geriet Transkarpatien nach dem Abzug der ungarischen und deutschen Truppen im Herbst 1944 unverzüglich unter die Kontrolle der sowjetischen Militärverwaltung.

Unter Einbeziehung der sowjetischen Geheimdienstorganisationen NKWD und SMERSH führten die Behörden unter dem Vorwand der Mobilisierung für Arbeitslager massenhafte und rechtswidrige Verhaftungen von männlichen Zivilisten im Alter zwischen 18 und 50 Jahren durch.

Das ukrainische Parlament stellt fest, dass Tausende friedlicher Einwohner Transkarpatiens ohne gerichtliche Entscheidung in das Gulag-System deportiert wurden. Die Erklärung bezeichnet diese Handlungen als Verbrechen, die vom kommunistischen totalitären Regime begangen wurden.

Der „Malenky Robot“ wird als Straftat anerkannt

Einer der wichtigsten Punkte der Resolution ist die offizielle Anerkennung der Unterdrückung der ungarischen Zivilbevölkerung in der Region durch die Ukraine.

In der Erklärung wird ausdrücklich der „Malenky Robot“ – auch „kleine Arbeit“ genannt – erwähnt und die Massenunterdrückung ethnischer Ungarn zwischen 1944 und 1946 als Verbrechen des kommunistischen totalitären Regimes anerkannt.

Das Dokument verurteilt zudem die Unterdrückung, unter der die ethnisch deutsche Bevölkerung in Transkarpatien im selben Zeitraum litt. Das ukrainische Parlament erklärt, dass die Ukraine als demokratischer Rechtsstaat, der sich der Rechtsstaatlichkeit verpflichtet fühlt und jegliche Form des Totalitarismus ablehnt, die moralische Pflicht habe, diese historischen Verbrechen offiziell anzuerkennen.

Gedenkstätten und Bildungsprogramme geplant

Die Erklärung geht über die bloße Anerkennung der historischen Ereignisse hinaus. Die Ukraine betrachtet es zudem als moralische Verpflichtung, die Opfer der sowjetischen Unterdrückung in Transkarpatien zu ehren, unter anderem durch die Anbringung von Gedenktafeln. Das Dokument fordert zudem wissenschaftliche Forschung und Bildungsprogramme zu dieser Verfolgung und verspricht einen besseren öffentlichen Zugang zu den entsprechenden Archivmaterialien.

Was war der „Malenky Robot“?

Der Begriff „Malenky Robot“, was so viel wie „kleine Arbeit“ bedeutet, wird häufig verwendet, um die Massendeportation von Ungarn und Deutschen aus Transkarpatien durch die sowjetischen Behörden nach dem Zweiten Weltkrieg zu beschreiben. Im Herbst 1944 wurden männliche Zivilisten häufig unter dem Vorwand, sie würden zu kurzfristigen Arbeitsaufträgen abgeholt, zusammengetrieben. Viele von ihnen wurden jedoch anschließend in Arbeitslager in der gesamten Sowjetunion deportiert.

Eine große Zahl von ihnen kehrte nie nach Hause zurück. Die neue parlamentarische Erklärung ist daher von großer Bedeutung, da der ukrainische Staat diese Ereignisse nun in einem offiziellen parlamentarischen Dokument formell anerkannt und verurteilt hat.

Der Beschluss fällt inmitten von Spannungen im Zusammenhang mit dem EU-Beitritt der Ukraine

Der Schritt des ukrainischen Parlaments erfolgt vor dem Hintergrund weiterhin angespannter Beziehungen zwischen Kiew und Budapest. Am Donnerstag wurde bekannt, dass der EU-Beitrittsprozess der Ukraine nach wie vor auf Hindernisse stößt, da Ungarn die Screening-Berichte im Zusammenhang mit dem zweiten und dritten Verhandlungskluster weiterhin blockiert.

Die ungarische Regierung hat wiederholt erklärt, dass sie einen beschleunigten Beitritt der Ukraine zur Europäischen Union nicht unterstützt und von Kiew die Umsetzung einer Vereinbarung über die Rechte der ungarischen Minderheit in Transkarpatien erwartet.

Vor diesem Hintergrund kann die Entscheidung des ukrainischen Parlaments als bedeutende politische und symbolische Geste gegenüber Budapest gewertet werden, auch wenn sie nicht alle offenen Streitfragen zwischen den beiden Ländern löst.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *