Die ungarische Regierung nimmt Private-Equity-Geschäfte aus der Orbán-Ära im Wert von mehreren Billionen Forint ins Visier

Die neue ungarische Regierung überprüft staatliche Verträge im Wert von mehreren Billionen Forint, an denen Unternehmen beteiligt sind, die sich im Besitz von Private-Equity-Fonds befinden, wodurch möglicherweise einige der größten Geschäftsabschlüsse der vergangenen Ära unter die Lupe genommen werden.
Laut einem Bericht von 24.hu hat die Tisza-Regierung damit begonnen, unter der vorherigen Regierung unterzeichnete Verträge mit Unternehmen zu prüfen, deren Eigentumsverhältnisse mit Private-Equity-Fonds verbunden sind. Die Überprüfung erfolgt im Zuge neuer Transparenzvorschriften, die es den tatsächlichen Begünstigten hinter Ungarns Private-Equity-Fonds erheblich erschweren, sich vor der Öffentlichkeit verborgen zu halten.
Seit dem 5. August dürfen die Eigentümer und Begünstigten hinter Private-Equity-Fonds bei bedeutenden staatlichen Transaktionen nicht mehr anonym bleiben. Wer die vorgeschriebenen Angaben nicht macht, kann von der Beantragung neuer öffentlicher Fördermittel sowie vom Abschluss neuer Verträge mit dem Staat ausgeschlossen werden.
Die Änderungen haben bereits spürbare Folgen für mehrere Unternehmen, die mit dem früheren politischen Establishment Ungarns in Verbindung stehen.

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Mit Mészáros verbundene Unternehmen sind bereits von Finanzierungsausfällen betroffen
Einer der prominentesten Betroffenen ist der milliardenschwere Unternehmer Lőrinc Mészáros, dessen Geschäftsimperium während der Amtszeit der vorherigen Regierung dramatisch gewachsen war. Laut 24.hu sind bereits mehrere bedeutende Finanzgeschäfte im Zusammenhang mit Mészáros-nahen Unternehmen geplatzt. Dazu gehören:
- Opus Titász Zrt. verlor im Zusammenhang mit einem groß angelegten Programm zum Ausbau des Stromnetzes rund 60 Milliarden HUF an EU-Fördermitteln.
- Gallicoop Zrt., einem Unternehmen zur Verarbeitung von Putenfleisch, wurden Fördermittel in Höhe von 33 Milliarden HUF entzogen, nachdem die Behörden festgestellt hatten, dass die Eigentümerstruktur nicht den einschlägigen Anforderungen entsprach.
- Ein mit einem der Private-Equity-Fonds verbundenes Unternehmen musste zudem mehr als 2 Milliarden HUF an den Staat zurückzahlen, nachdem angeblich Gewinne abgeschöpft worden waren, bevor der Staat das Mautsystem übernahm.
Der Fall Gallicoop ist besonders aufschlussreich. Das Landwirtschaftsministerium argumentierte Berichten zufolge, die Fördermittel seien zu Unrecht gewährt worden, da sich das Unternehmen im Besitz von Private-Equity-Fonds befand, wodurch es unmöglich war, die Identität des letztendlichen wirtschaftlichen Eigentümers festzustellen. Doch diese Fälle könnten sich als bloßer Anfang erweisen.
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Als Nächstes steht der Autobahn-Deal im Wert von 24.000 Milliarden HUF an
Die größte Frage betrifft Ungarns 35-jährige Autobahnkonzession, deren Wert auf rund 24.000 Milliarden HUF (66 Milliarden Euro) geschätzt wird.
Die Konzession ist bereits in Brüssel unter die Lupe genommen worden, wo derzeit ein Vertragsverletzungsverfahren läuft. Unterdessen hat Verkehrs- und Investitionsminister Dávid Vitézy wiederholt angedeutet, dass die ungarische Regierung beabsichtigt, die Vereinbarung eingehend zu prüfen.
Auch Ministerpräsident Péter Magyar hat die Autobahnkonzession als Paradebeispiel für das bezeichnet, was er als „Verschleißung öffentlicher Gelder“ bezeichnet. Dies könnte dazu führen, dass der Konzessionsnehmer, die MKIF Zrt., unter die Lupe genommen wird.
Das Unternehmen weist eine ungewöhnliche Eigentümerstruktur auf: Zu seinen Eigentümern zählen sieben Private-Equity-Fonds. Diese Fonds wurden mit den Geschäftsinteressen von Mészáros und seinem langjährigen Geschäftspartner László Szíjj in Verbindung gebracht, obwohl es der Öffentlichkeit aufgrund der Struktur von Private-Equity-Fonds bislang schwerfiel, die letztendlichen Begünstigten zu identifizieren. Die neuen Transparenzvorschriften könnten dies ändern.
Der Staat hat bereits 1.024 Milliarden HUF gezahlt
Ein weiterer umstrittener Aspekt der Autobahnkonzession ist die Höhe der bereits vom Staat gezahlten Gelder. Nach den von Vitézy angeführten Zahlen hat der ungarische Staat bislang 1.024 Milliarden HUF (2,83 Milliarden Euro) an MKIF gezahlt, was mehr ist als der Wert der von der Konzessionsgesellschaft fertiggestellten Arbeiten.
Kritiker argumentieren, dass diese Regelung, anstatt den Staatshaushalt zu entlasten, es dem Staat faktisch ermöglicht, den privaten Betreiber vorzufinanzieren und ihn gleichzeitig vor erheblichen Risiken zu schützen. Dies dürfte die Konzession zu einem der politisch heikelsten Punkte im Rahmen der umfassenden Überprüfung durch die Regierung machen.
4iG und die Abfallkonzession wurden ebenfalls geprüft
Die Untersuchung beschränkt sich nicht auf das Autobahngeschäft. Eine Reihe von Unternehmen innerhalb der 4iG-Gruppe zählt ebenfalls Private-Equity-Fonds zu ihren Eigentümern, und die neue Regierung prüft zudem die Beziehung zwischen dem Staat und 4iG.
Auch die Konzession für die Abfallwirtschaft wird derzeit einer umfassenden Überprüfung unterzogen. In diesem Fall wird die Konzession jedoch von der MOL-Gruppe betrieben und nicht über eine ähnliche Beteiligungsstruktur mit Private-Equity-Fonds. Die Vorgehensweise der Regierung lässt darauf schließen, dass Verträge und Konzessionen, die in der vergangenen Amtsperiode geschlossen wurden, einer deutlich strengeren Prüfung unterzogen werden könnten als bisher.
Private-Equity-Fonds stehen vor einer Entscheidung
Die neuen Vorschriften könnten die Begünstigten hinter den ungarischen Private-Equity-Fonds in eine unangenehme Lage bringen. Sie können entweder offenlegen, wer letztendlich von ihren lukrativen, staatlich verbundenen Geschäften profitiert, oder riskieren, den Zugang zu künftigen öffentlichen Aufträgen und Fördermitteln zu verlieren.
Das Volumen der betreffenden Aufträge ist enorm; allein die Autobahnkonzession wird auf 24.000 Milliarden HUF geschätzt.

