Billigflüge werden teuer: Wie Ryanair und Wizz Air mit versteckten Zusatzkosten Geld verdienen

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Flüge mit Europas größten Billigfluggesellschaften werden deutlich teurer, auch wenn Fluggesellschaften wie Ryanair und Wizz Air bei den Nennpreisen für Flugtickets nach wie vor in einem harten Wettbewerb stehen.
Eine Analyse des Luftfahrt-Datenanbieters Cirium ergab, dass die ausgewählten Economy-Tarife von Ryanair, easyJet und Wizz Air im Mai 2026 um 39,2 Prozent höher lagen als ein Jahr zuvor. Im Vergleich zu Anfang 2024 hatten sich die Durchschnittspreise mehr als verdoppelt.
Wichtig ist, dass diese Zahlen die Grundtarife der Fluggesellschaften vor Steuern und externen Gebühren umfassen. Nicht enthalten sind zudem viele der Zusatzleistungen, für die Passagiere häufig zusätzlich bezahlen müssen, wie beispielsweise aufgegebenes Gepäck, Sitzplatzauswahl und vorrangiges Einsteigen.
Mit anderen Worten: Der Endpreis eines „günstigen“ Fluges kann erheblich höher ausfallen als der beworbene Tarif.

Flugbenzin setzt die Fluggesellschaften unter Druck
Der größte Treiber für die steigenden Kosten ist der Flugkraftstoff. Laut Világgazdaság rechnet die International Air Transport Association (IATA) damit, dass die weltweiten Kraftstoffkosten der Fluggesellschaften von rund 252 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf 350 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 steigen werden, was einem Anstieg von fast 40 Prozent entspricht.
Die Preise für Flugbenzin stiegen im Frühjahr dramatisch an und erreichten im April einen Durchschnittspreis von 188 US-Dollar pro Barrel. Obwohl die Preise seitdem wieder gesunken sind, liegen sie weiterhin deutlich über dem Niveau vor dem jüngsten Energieschock.
Die Fluggesellschaften können diese zusätzlichen Kosten jedoch nicht einfach vollständig an die Passagiere weitergeben. Europäische Fluggesellschaften sehen sich zudem einem verstärkten Wettbewerb gegenüber. Daten von Cirium zeigen, dass in diesem Sommer auf Flügen innerhalb Europas mehr als 5 Prozent mehr Sitzplätze zur Verfügung stehen. Da die Passagiere sehr preisbewusst sind, haben die Fluggesellschaften nur begrenzten Spielraum, die Grundtarife unbegrenzt anzuheben.
Die Finanzergebnisse der Billigflug-Giganten verdeutlichen diesen Druck. Der Gewinn nach Steuern von Ryanair sank im Quartal April bis Juni um rund ein Drittel, während die durchschnittlichen Flugpreise um 6 Prozent unter denen des Vorjahres lagen. Wizz Air meldete unterdessen für denselben Zeitraum einen operativen Verlust von 183,3 Millionen Euro.

Das eigentliche Geld liegt zunehmend in den Zusatzleistungen
Wenn Fluggesellschaften also die Ticketpreise nicht einfach weiter erhöhen können, woher kommt dann das Geld? Zunehmend stammt es aus allem, was über den Grundpreis hinausgeht. Gepäck, Sitzplatzauswahl, vorrangiges Einsteigen und andere optionale Dienstleistungen sind zu entscheidenden Einnahmequellen für Billigfluggesellschaften geworden.
Ryanair erzielte im Geschäftsjahr, das im März endete, 4,99 Milliarden Euro mit Zusatzleistungen. Das entsprach rund 24 Euro pro Passagier und machte fast ein Drittel des Gesamtumsatzes von 15,54 Milliarden Euro aus.
Bei Wizz Air ist dieser Anteil sogar noch höher. Zusatzleistungen machten im Geschäftsjahr, das im März 2025 endete, fast die Hälfte des Gesamtumsatzes der Fluggesellschaft aus. Das bedeutet, dass der Grundpreis zunehmend ein unvollständiger Maßstab dafür ist, wie viel ein Billigflug tatsächlich kostet.
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Ändert sich das Billigflugmodell?
Das traditionelle Billigflugmodell verschwindet zwar nicht, wird für die Passagiere jedoch immer komplizierter. Wer mit nur wenig Gepäck reist, einen automatisch zugewiesenen Sitzplatz akzeptiert und auf Zusatzleistungen verzichtet, kann nach wie vor von einem wirklich günstigen Flugpreis profitieren.
Sobald ein Passagier jedoch aufgegebenes Gepäck hinzufügt, einen bestimmten Sitzplatz wählt, vorrangiges Einsteigen wünscht oder andere Extras in Anspruch nimmt, kann sich die Endrechnung erheblich dem Preis einer traditionellen Full-Service-Fluggesellschaft annähern. Für die Fluggesellschaften bieten diese Zusatzumsätze unterdessen eine Möglichkeit, die Grundtarife relativ wettbewerbsfähig zu halten und gleichzeitig einen Teil ihrer steigenden Kosten zu decken.
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Ryanair und Wizz Air stehen vor einem heiklen Balanceakt
Es gibt kaum Anzeichen dafür, dass sich der Billigflugsektor selbst in einer Krise befindet. Ryanair beförderte im letzten Geschäftsjahr eine Rekordzahl von 208,4 Millionen Passagieren bei einer Auslastung von 94 Prozent, während der Umsatz um 11 Prozent stieg. Die größere Frage ist, wie viel die Passagiere bereit sind zu zahlen, bevor der Preisvorteil der Billigflieger zu schwinden beginnt.
Da Treibstoff weiterhin teuer ist und die Fluggesellschaften mit steigenden Betriebskosten konfrontiert sind, sehen sich Anbieter wie Ryanair und Wizz Air gezwungen, zwei konkurrierende Prioritäten gegeneinander abzuwägen: die beworbenen Flugpreise niedrig genug zu halten, um preisbewusste Reisende anzusprechen, und gleichzeitig mehr Umsatz mit den Zusatzleistungen zu erzielen, für die die Passagiere zunehmend bereit sind zu zahlen.
Für Reisende ist es wichtig, diese Lektion zu lernen: Das günstigste Ticket ist nicht unbedingt der günstigste Flug. Beim Vergleich von Billigflugtarifen gewinnen die Gesamtkosten – einschließlich Gepäck, Sitzplatz und anderer Notwendigkeiten – mehr denn je an Bedeutung.

