Die ungarische Außenministerin Anita Orbán erklärt, dass Dokumente vor dem Regierungswechsel von Szijjártós Team geschreddert wurden

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Die ungarische Außenministerin Anita Orbán hat in einem Interview mit Österreichs führender Tageszeitung „Der Standard“ offenbart, dass im Ministerium für auswärtige Angelegenheiten und Handel „ziemlich viele“ Dokumente vernichtet wurden, bevor die neue Regierung ihr Amt antrat.

Österreichisches Interview thematisiert vernichtete Akten, die Ukraine und die Energieabhängigkeit

Orbán gab während ihres jüngsten Besuchs in Wien ein gemeinsames Interview mit der österreichischen Außenministerin Beate Meinl-Reisinger, in dem die beiden Ministerinnen über regionale Zusammenarbeit, Ungarns Beziehungen zur Europäischen Union, Migration, die Ukraine und Energiesicherheit sprachen.

Die österreichische Zeitung stellte fest, dass die beiden Minister offenbar eine konstruktive Arbeitsbeziehung pflegen, und hob zugleich hervor, dass die neue ungarische Regierung versucht, internationale Partnerschaften wieder aufzubauen, die sich in den letzten Jahren verschlechtert hatten.

Einer der auffälligsten Momente des Interviews ereignete sich, als „Der Standard“ Orbán zu Berichten befragte, wonach im ungarischen Außenministerium nach der Wahl, aber noch vor der offiziellen Machtübergabe große Mengen an Dokumenten vernichtet worden seien. Ihre Antwort fiel kurz, aber unmissverständlich aus:

„Ja, es wurde ziemlich viel geschreddert.“

Die Ministerin ging nicht näher darauf ein, um welche Art von Dokumenten es sich handelte oder ob eine Untersuchung geplant ist.

Wien lobt Ungarns Reformbemühungen

Im Mittelpunkt des Interviews standen zudem die Bemühungen Ungarns, die eingefrorenen EU-Mittel freizugeben. Meinl-Reisinger lobte das Tempo der von der neuen ungarischen Regierung eingeleiteten Reformen und beschrieb den Prozess als mit „unglaublicher Geschwindigkeit“ voranschreitend. Sie betonte, dass Ungarn ein wichtiger Partner innerhalb der Europäischen Union sei, und hob die Bedeutung der Stärkung der Rechtsstaatlichkeit hervor.

Laut Anita Orbán steht Budapest vor einer anspruchsvollen Frist bis zum 31. August, um ein Reformpaket abzuschließen, das für die Freigabe der ausgesetzten EU-Mittel erforderlich ist. Sie hob Maßnahmen hervor, darunter die geplante Abschaffung des Amtes zum Schutz der Souveränität, neue Initiativen zur Korruptionsbekämpfung sowie Ungarns Antrag auf Beitritt zur Europäischen Staatsanwaltschaft.

Neue Regierung strebt engere Zusammenarbeit in Migrationsfragen an

Das Thema Migration war ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion. Orbán erklärte, dass Ungarn weiterhin gegen illegale Migration eintrete und beabsichtige, strenge Grenzschutzmaßnahmen beizubehalten. Sie argumentierte jedoch, dass sich der Ansatz der neuen Regierung erheblich von dem ihrer Vorgängerin unterscheide.

„Der große Unterschied zur vorherigen Regierung besteht darin, dass wir mit unseren Partnern zusammenarbeiten wollen“, sagte sie.

Die österreichische Außenministerin betonte, dass Migration nach wie vor eine gemeinsame europäische Herausforderung sei, die gemeinsame Lösungen erfordere, und äußerte zugleich die Hoffnung, dass die Kontrollen an den Binnengrenzen der EU letztendlich abgebaut werden können.

Wiederaufbau regionaler Partnerschaften

Orbán skizzierte zudem Pläne zur Wiederbelebung der regionalen Zusammenarbeit, insbesondere innerhalb der Visegrád-Gruppe (V4), in der Ungarn, Polen, die Tschechische Republik und die Slowakei zusammengeschlossen sind. Sie bestätigte, dass die ungarische Regierung beabsichtige, dem Bündnis „neue Energie“ zu verleihen, und verwies in diesem Zusammenhang auf ein bevorstehendes Treffen der vier Ministerpräsidenten.

Österreich hat sich in jüngster Zeit zu einem der engsten diplomatischen Partner Budapests in der Region entwickelt. Während ihres Besuchs in Wien erörterten Anita Orbán und Beate Meinl-Reisinger die Vorbereitungen für künftige regionale Initiativen sowie eine neue Phase in den ungarisch-österreichischen Beziehungen.

Beate Meinl-Reisinger and Anita Orbán austria hungary foreign affairs ministers
Beate Meinl-Reisinger und Anita Orbán. Foto: Facebook/Orbán Anita

Die Abhängigkeit von russischer Energie bleibt eine Herausforderung

Die Ministerinnen sprachen zudem die seit langem bestehende Abhängigkeit Ungarns von russischer Energie an.

Anita Orbán räumte ein, dass die neue Regierung erhebliche strukturelle Abhängigkeiten übernommen habe, darunter die russische Nukleartechnologie im Kernkraftwerk Paks sowie umfangreiche Öl- und Gaslieferverträge.

Sie erklärte, die Regierung prüfe derzeit diese Abhängigkeiten und setze sich dabei weiterhin für eine sichere und bezahlbare Energieversorgung ein.

Meinl-Reisinger argumentierte, Europa habe die Risiken einer zu starken Abhängigkeit von einem einzigen Lieferanten erkannt, und forderte größere Investitionen in heimische und diversifizierte Energiequellen.

Ungarn ändert seinen Kurs in Bezug auf die Ukraine

In Bezug auf die Ukraine erklärte Orbán, ihre Regierung habe bereits Verhandlungen aufgenommen, die auf eine Verbesserung der Lage der ungarischen Minderheit in Transkarpatien abzielen, und behauptete, bei Themen wie Bildung und Rechten in der öffentlichen Verwaltung seien Fortschritte erzielt worden.

Sie bestätigte zudem, dass Ungarn das Veto aufgehoben habe, das zuvor den Fortschritt im EU-Beitrittsprozess der Ukraine blockiert hatte. Die österreichische Ministerin ging noch einen Schritt weiter und argumentierte, die vorherige ungarische Regierung habe Bedenken hinsichtlich der Minderheitenrechte in erster Linie als politisches Instrument genutzt, um die europäische Integration der Ukraine zu behindern, anstatt sich ernsthaft mit dem Thema auseinanderzusetzen.

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Direkte Kommunikation und Desinformation

Das Interview endete mit einer Diskussion über Desinformation und politische Kommunikation. Anita Orbán verwies auf die landesweite Wahlkampftour von Ministerpräsident Péter Magyar und erklärte, der direkte Kontakt zu den Wählern sei aufgrund des eingeschränkten Zugangs zu den staatlichen Medien vor der Wahl von entscheidender Bedeutung gewesen.

Meinl-Reisinger bezeichnete den Kampf gegen Desinformation als eine der größten politischen Herausforderungen Europas und wies darauf hin, dass die jüngsten Erfahrungen Ungarns zu den europäischen Bemühungen zur Bekämpfung dieses Phänomens beitragen könnten.

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