Erasmus-Rückkehr in greifbarer Nähe? Ungarns neue Regierung könnte EU-Gelder rasch freigeben und den langjährigen Streit beenden

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Die neue ungarische Regierung unter Péter Magyar könnte eine rasche Lösung für einen der hartnäckigsten Streitigkeiten des Landes mit der Europäischen Kommission herbeiführen und den Zugang zu den Programmen Erasmus und Horizon innerhalb weniger Wochen wiederherstellen.

Nach einer Analyse von Portfolio könnte der seit langem bestehende Konflikt über die Verwaltung von Stiftungsuniversitäten – weithin als “Erasmus-Problem” bezeichnet – zu den am leichtesten zu lösenden EU-Streitfällen gehören. Angesichts der klaren Erwartungen, die Brüssel bereits für das Jahr 2023 formuliert hat, könnte eine entscheidende regulatorische Änderung schnelle Fortschritte bringen, sogar innerhalb von Tagen.

Der Regierungswechsel Anfang Mai könnte daher einen Wendepunkt nicht nur für die ungarischen Studenten, sondern auch für die EU-Finanzierungsverhandlungen markieren.

Was steckt hinter dem Erasmus-Streit?

Der Konflikt geht auf Reformen zurück, die zwischen 2019 und 2021 eingeleitet wurden, als die ungarische Regierung viele Universitäten in Stiftungen überführte, die als Public Interest Asset Management Trusts bekannt sind.

Während das offizielle Ziel darin bestand, flexiblere, autonome Institutionen zu schaffen, wurden auf EU-Ebene bald Bedenken laut. Die Europäische Kommission argumentierte, dass das Governance-Modell ernsthafte Risiken in Bezug auf Interessenkonflikte und die transparente Verwendung öffentlicher Mittel birgt.

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Die ungarische Regierung Tisza könnte möglicherweise schon in wenigen Wochen den Zugang zu den Programmen Erasmus und Horizon wiederherstellen. Foto: depositphotos.com

Die Kritik konzentrierte sich insbesondere auf folgende Punkte:

  • Die Anwesenheit aktiver oder ehemaliger Regierungsbeamter in den Vorständen der Universitäten
  • Lange oder praktisch unbegrenzte Mandate für Vorstandsmitglieder
  • Schwache Aufsicht und unzureichende Regeln zur Vermögenserklärung

Infolgedessen setzte die EU die Teilnahme der betroffenen Einrichtungen am Austauschprogramm Erasmus+ und am Forschungsrahmenprogramm Horizon aus, wovon Zehntausende ungarische Studenten und Forscher betroffen sind.

Warum das Problem ungelöst bleibt

Trotz teilweiser Gesetzesänderungen im Herbst 2024 hielt Brüssel die ungarischen Reformen für unzureichend. Die Maßnahmen haben es nicht geschafft, das Problem auf einer systemischen Ebene anzugehen und entsprachen nicht vollständig den Erwartungen der EU.

Die wichtigsten Knackpunkte sind:

  • Die Mandate der Aufsichtsräte werden immer noch als zu lang angesehen (sechs Jahre statt der bevorzugten vier)
  • Eine Bedenkzeit von nur einem Jahr für ehemalige Politiker, statt der erwarteten zwei
  • Überwachungsmechanismen, die hauptsächlich nach der Vergabe von Geldern greifen, anstatt Konflikte im Voraus zu verhindern
  • Begrenzte Transparenz bei der Auswahl der Vorstandsmitglieder

Die scheidende Regierung von Viktor Orbán hat die EU-Entscheidung auch vor Gericht angefochten und argumentiert, dass sie die Autonomie der Universitäten verletze. Der Fall ist noch nicht abgeschlossen.

Neue Regierung verspricht rasche Lösung

Die Theiss-Partei hat die Wiederherstellung der internationalen akademischen Beziehungen zu einer zentralen Priorität gemacht. Péter Magyar hatte zuvor erklärt, dass das Erasmus-Problem “in einer Minute” gelöst werden könne. Damit signalisierte er die feste politische Absicht, die EU-Anforderungen zu erfüllen, so Eduline.

Das Parteiprogramm verpflichtet sich zu:

  • Wiederaufnahme der ungarischen Universitäten in die Programme Erasmus+ und Horizon
  • Stärkung der internationalen akademischen Zusammenarbeit
  • Unterstützung von Forschungseinrichtungen mit professionellem Projektmanagement und Finanzierungshilfen

Die Leiterin der Abteilung für auswärtige Angelegenheiten, Anita Orbán, betonte außerdem, dass die Wiederherstellung des Zugangs zu Erasmus zu den ersten Maßnahmen gehören werde. Sie wies darauf hin, dass ungarische Studenten im Vergleich zu Gleichaltrigen in Ländern wie Österreich und Polen benachteiligt seien.

Anita Orbán and Péter Magyar
Péter Magyar und Anita Orbán. Foto: Facebook/Orbán Anita

Ebenfalls in den Plänen: Freisetzung von Milliarden an EU-Geldern

Die Beilegung des Erasmus-Streits könnte Konsequenzen weit über die Hochschulbildung hinaus haben.

Die Probleme im Zusammenhang mit den Universitätsstiftungen sind eng mit den allgemeinen rechtsstaatlichen Bedingungen verknüpft, die an die EU-Finanzierung geknüpft sind. Solange diese Fragen nicht geklärt sind, bleibt der Zugang zu wichtigen Finanzinstrumenten – einschließlich der EU-Fazilität für Konjunkturbelebung und Krisenbewältigung – ungewiss.

Eine umfassende Reform, die sich mit Interessenkonflikten und Transparenz befasst, könnte daher helfen:

  • die Teilnahme an Erasmus und Horizon wiederherstellen
  • das Vertrauen zwischen Ungarn und den EU-Institutionen verbessern
  • die Verhandlungen über eingefrorene EU-Mittel beschleunigen

Ein Fenster der Gelegenheit

Die jüngsten Signale von Ursula von der Leyen deuten darauf hin, dass Brüssel für eine erneute Zusammenarbeit mit Ungarns neuer Führung offen ist.

Da die Erwartungen der EU klar definiert sind und auf beiden Seiten politische Bereitschaft besteht, könnte der Erasmus-Streit der erste große Durchbruch bei der Wiederherstellung der Beziehungen Ungarns zur Europäischen Union werden.

Für ungarische Studenten und Forscher könnte dies endlich eine Rückkehr zu internationalen Programmen und ein Ende der jahrelangen Isolation von wichtigen akademischen Möglichkeiten bedeuten.

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