Politik‑Wende: Ungarn lässt EU‑Sanktionen gegen russischen Geistlichen zu

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Die neue ungarische Regierung unter Péter Magyar hat angedeutet, dass sie die Sanktionen der Europäischen Union gegen den Moskauer Patriarchen Kirill nicht länger blockieren wird. Damit hat sich die Haltung Budapests gegenüber Russland und den Entscheidungen der EU deutlich geändert.
Nach Angaben von Euronews werden die EU-Botschafter am Freitag voraussichtlich ein neues “Mini”-Sanktionspaket erörtern, das sich gegen etwa zehn russische Personen richtet, die zuvor vom ehemaligen Premierminister Viktor Orbán geschützt wurden, sowie gegen mehrere Schiffe, die mit Russlands sogenannter “Schattenflotte” in Verbindung stehen.
Große Kehrtwende der ungarischen Regierung nach Jahren des Ungehorsams
Die Europäische Union versuchte erstmals im Jahr 2022, Patriarch Kirill zu sanktionieren. Sie warf dem einflussreichen religiösen Führer vor, Russlands Invasion in der Ukraine offen zu unterstützen und vom Kreml unterstützte Propaganda zu verbreiten. Die Regierung Orbán legte jedoch wiederholt ihr Veto ein, mit dem Argument, dass die Sanktionierung eines Kirchenführers die Religionsfreiheit verletzen würde. Ungarischen Medienberichten zufolge hat die vorherige Regierung mindestens 14 Mal Maßnahmen gegen Kirill blockiert.
Die mögliche Kehrtwende wird in Brüssel als frühes Zeichen dafür gewertet, dass Magyars Regierung beabsichtigt, sich von Orbáns konfrontativer Haltung gegenüber der EU zu distanzieren. Während die neue ungarische Regierung betont hat, dass Maßnahmen, die der wirtschaftlichen Stabilität Ungarns schaden, weiterhin inakzeptabel sind, scheint sie eher bereit zu sein, gemeinsame europäische Maßnahmen gegen Moskau zu unterstützen.
Márton Hajdu, Vorsitzender des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten des ungarischen Parlaments und enger Verbündeter von Magyar, erklärte gegenüber Euronews, dass die neue ungarische Regierung Sanktionen in Fällen, in denen die vorherige Regierung “private Geschäfte” gemacht hat, nicht behindern werde.
Russlands ‘Schattenflotte’ rückt in den Fokus
Der bevorstehende Sanktionsvorschlag würde auch mehrere Schiffe ins Visier nehmen, von denen angenommen wird, dass sie zu Russlands “Schattenflotte” gehören – Schiffe, die angeblich dazu benutzt werden, westliche Ölexportbeschränkungen zu umgehen, schreibt Szeretlek Magyarország. EU-Beamte haben zunehmend davor gewarnt, dass diese Schiffe oft unter falscher Flagge, mit unklaren Eigentumsverhältnissen und fragwürdigem Versicherungsschutz operieren. Mehrere europäische Länder, darunter Frankreich, Schweden und Polen, haben in den letzten Monaten bereits Maßnahmen gegen verdächtige Schiffe ergriffen.
Die Chefin der EU-Außenpolitik, Kaja Kallas, hat die Mitgliedstaaten aufgefordert, schneller gegen die Flotte vorzugehen, indem sie fortlaufend Sanktionen einführen, anstatt auf größere Pakete zu warten. Wenn die neuen Maßnahmen genehmigt werden, könnten sie am 15. Juni von den EU-Außenministern formell verabschiedet werden. Brüssel erwägt auch, den Zeitraum für die Verlängerung der Sanktionen von sechs Monaten auf ein Jahr zu verlängern – ein weiterer Vorschlag, den Orbán lange abgelehnt hat, weil er Ungarns Vetorecht innerhalb des Blocks beschneidet.
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