M1 kehrt nach beispielloser Sendepause und Entschuldigung für jahrelanges „Lügen“ mit verbotenem ungarischem Klassiker zurück

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Der ungarische öffentlich-rechtliche Sender M1 nahm am Dienstagabend nach einer beispiellosen, stundenlangen Unterbrechung den Sendebetrieb wieder auf. Doch statt Nachrichten wurden die Zuschauer mit einer der bekanntesten politischen Satiren des Landes begrüßt: „Der Zeuge“ (A tanú).

M1 kehrt nach historischer Unterbrechung zurück

Das reguläre Programm von M1 wurde am Dienstag um 16:00 Uhr unterbrochen, wobei die Zuschauer lediglich einen schwarzen Bildschirm mit einer außergewöhnlichen Botschaft zu sehen bekamen:

„Öffentliche Medien dürfen nicht lügen. Wir entschuldigen uns dafür, dass wir dies jahrelang getan haben. Die staatlichen Medien werden derzeit grundlegend reformiert, damit sie künftig unabhängig und glaubwürdig sein können. Der Nachrichtendienst wird vorübergehend eingestellt. Bleiben Sie dran!“

Die gleiche Meldung erschien auch auf der Nachrichten-Website des öffentlich-rechtlichen Senders, während der Radiosender Kossuth vorübergehend sein eigenes Programm einstellte und stattdessen den Sender Bartók Radio übertrug.

Zuvor war die neu ernannte Interimsführung der ungarischen öffentlich-rechtlichen Medien offiziell in ihr Amt eingetreten. Der Ankündigung zufolge wurde András Horváth P. zum Interims-Geschäftsführer ernannt; ihm zur Seite stehen Zsófia Mészáros (Online-Betrieb), Balázs Bodacz (Nachrichten), György Kerényi (Kossuth-Radio), Péter Koltai (Büro des Geschäftsführers) sowie Sára Teszáry (Kommunikation und Marketing).

Die Interimsleitung erklärte, zu ihren Prioritäten gehörten die Prüfung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, die Begleitung des Übergangs sowie die Einstellung dessen, was sie als Propaganda bezeichnete, während gleichzeitig ein unabhängiger und professioneller Nachrichtendienst wieder aufgebaut werden solle.

Der Sendebetrieb wird mit „The Witness“ wieder aufgenommen

Um 19:56 Uhr (eine symbolische Anspielung auf die ungarische Revolution von 1956) nahm M1 den Sendebetrieb wieder auf. Anstelle von Nachrichtensendungen startete der Sender sein vorläufiges Programm jedoch mit Péter Bacsós Klassiker „Der Zeuge“ (A tanú) aus dem Jahr 1969, einer der berühmtesten politischen Satiren Ungarns.

Der Film, der die Absurditäten und Missstände der kommunistischen Diktatur der Rákosi-Ära verspottet, wurde bekanntlich kurz nach seiner Fertigstellung verboten. Obwohl er in der stalinistischen Zeit spielt, erkannten die Kulturbehörden unter dem Kádár-Regime Berichten zufolge unbequeme Parallelen zu ihrem eigenen System und verzögerten die öffentliche Veröffentlichung des Films bis in die späten 1970er Jahre.

Viele seiner Zeilen sind seitdem Teil der ungarischen Alltagskultur geworden, darunter das berühmte Zitat: „Fakten sind hartnäckige Dinge.“ („A tények makacs dolgok.“)

Sehen Sie in einem kurzen Video von 444.hu, wie M1 mit dem Start von „Der Zeuge“ den Sendebetrieb wieder aufnahm:

Führungskräfte entlassen

Am Dienstag kam es zudem zu umfassenden personellen Veränderungen beim öffentlich-rechtlichen Sender. Ungarischen Medienberichten zufolge wurde Zsolt Németh, Leiter des Senders M1, bereits vor der Aussetzung der Nachrichtenberichterstattung seines Amtes enthoben, während auch der stellvertretende Programmdirektor Zsolt Mezei sein Amt niederlegte.

Berichten zufolge wurden zudem mehrere Moderatoren und Mitarbeiter entlassen. Der erfahrene Fernsehjournalist Attila Császár, langjähriger Korrespondent des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, wurde Berichten zufolge von Sicherheitskräften aus dem Gebäude begleitet. Die neue Führung erklärte, dass die Nachrichtensendungen vorübergehend ausgesetzt bleiben und ungarische Filme das Programm füllen werden, bis eine neue Programmstruktur eingeführt wird.

Ein beispielloser Tag für die ungarischen öffentlich-rechtlichen Medien

Die Sendepause markierte einen der dramatischsten Momente in der fast 70-jährigen Geschichte des ungarischen Fernsehens. Das ursprüngliche „Magyar Televízió“, das 1957 seinen Sendebetrieb aufnahm, hat den Sendebetrieb bisher nur selten vollständig eingestellt; zuvor geschah dies hauptsächlich aufgrund technischer Störungen oder nationaler Trauerzeiten, wie beispielsweise nach dem Tod des ehemaligen Ministerpräsidenten József Antall im Jahr 1993.

Falls Sie es verpasst haben: EILMELDUNG: Der ungarische Fernsehsender M1 unterbricht die Ausstrahlung mit einer Bildschirmmeldung an die Zuschauer

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