Nach der vernichtenden Niederlage begann die Entlassung von Hunderten von Journalisten bei Mediaworks, dem Flaggschiff der Orbán-nahen Medien

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Eines der größten Medienunternehmen Ungarns, Mediaworks Hungary Zrt., hat eine umfassende Umstrukturierung seiner Geschäftstätigkeit eingeleitet – ein Schritt, der eine der bedeutendsten Veränderungen in der heimischen Medienlandschaft der letzten Jahre darstellen könnte. Das Unternehmen gab am Montag bekannt, dass es im Rahmen einer Portfolioumstrukturierung den Betrieb mehrerer Printtitel und Online-Plattformen einstellen werde.

Mehrere Medienangebote sollen eingestellt werden

Der Medienkonzern wurde nach dem Wahlsieg der Fidesz im Jahr 2018 in Form einer Stiftung gegründet, als regierungsnahe Wirtschaftskreise ihre Publikationen unentgeltlich in den Konzern einbrachten, wodurch die Kommunikation der Regierungen unter Viktor Orbán in den vergangenen acht Jahren zentral koordiniert werden konnte.

Laut einer Erklärung von Mediaworks wird die Veröffentlichung der Printausgabe von „Bors“ ab dem 16. Juni ausgesetzt, während die Printausgaben von „Nógrád Megyei Hírlap“, „Heves Megyei Hírlap“ und „24 Óra“ (Komárom-Esztergom) ab dem 1. Juli vollständig eingestellt werden. Die betroffenen Inhalte bleiben jedoch in digitaler Form verfügbar. Zudem wurde bekannt gegeben, dass die traditionsreiche Tageszeitung „Magyar Nemzet“ angesichts sich wandelnder Lesegewohnheiten in eine Wochenzeitung umgewandelt wird, wie die ungarische Nachrichtenagentur berichtete.

Mediaworks bestätigte ferner, dass die Websites Ripost.hu und Metropol.hu eingestellt werden. Die Abonnenten werden direkt über die Änderungen informiert, erhalten alternative Publikationen angeboten oder haben die Möglichkeit, sich die nicht in Anspruch genommenen Abonnementgebühren zurückerstatten zu lassen. Das Unternehmen fügte hinzu, dass weitere Einzelheiten zu seinem Portfolio zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben werden.

Digitaler Wandel und Kostendruck

Diese Entscheidung steht im Einklang mit allgemeinen internationalen Trends in der Medienbranche, wo sinkende Print-Auflagen und der zunehmende Online-Konsum die Verlage dazu veranlasst haben, Ressourcen auf digitale Plattformen umzuschichten. Mediaworks gehört weiterhin zu den größten Medienkonzernen Ungarns und betreibt überregionale Tageszeitungen, Regionalzeitungen, Zeitschriften sowie Online-Nachrichtenportale. Nach eigenen Angaben erreichen die digitalen Plattformen des Unternehmens monatlich rund fünf Millionen Nutzer sowie mehrere hunderttausend Abonnenten. In den letzten Jahren spiegelte die Berichterstattung des Unternehmens weitgehend die Kommunikationslinie der Orbán-Regierungen wider, ähnlich wie beim staatlichen Rundfunk.

Zu den betroffenen Titeln zählen traditionsreiche Marken wie „Bors“ sowie mehrere Kreiszeitungen, deren Geschichte mehr als ein Jahrhundert zurückreicht. Somit hat diese Entscheidung nicht nur wirtschaftliche, sondern auch medienhistorische Bedeutung.

Was im Portfolio verbleibt

Mediaworks betreibt weiterhin Ungarns größtes regionales Zeitungsnetzwerk. Zu seinem Portfolio gehören „Magyar Nemzet“, „Kisalföld“, „Délmagyarország“, „Kelet-Magyarország“ und „Hajdú-Bihari Napló“ sowie zahlreiche Zeitschriften und digitale Plattformen. Der jüngste Schritt deutet darauf hin, dass der Verlag seinen Fokus möglicherweise auf eine geringere Anzahl stärkerer Print- und Digitalmarken verlagert, auch wenn noch nicht geklärt ist, ob weitere Schließungen oder Fusionen geplant sind.

Laut „Blikk“ begannen die Entlassungen heute, wobei Berichten zufolge die Wirtschaftsredaktion als erste betroffen war. Ein leitender Mitarbeiter soll angeblich entlassen worden sein, ohne die Möglichkeit zu haben, sich zu verabschieden. Gleichzeitig berichtet die Zeitung, dass die Geschäftsführung die Mitarbeiter fair behandelt: Die Betroffenen erhalten eine Abfindung, eine Vergütung für nicht genommenen Urlaub sowie bezahlten Urlaub bis Ende August. Einigen wird möglicherweise auch eine alternative Stelle innerhalb des Konzerns angeboten.

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Wie Mediaworks seinen Einfluss ausbaute

Der Aufstieg von Mediaworks verdeutlicht den Wandel des ungarischen Medienmarktes im letzten Jahrzehnt. Das Unternehmen gelangte 2016 in die Hände regierungsnaher Wirtschaftsinteressen, nachdem sein österreichischer Eigentümer es an Opimus Press verkauft hatte. Der Deal erregte großes Aufsehen, da er kurz nach der Einstellung der Veröffentlichung von „Népszabadság“ erfolgte, der damals größten oppositionell ausgerichteten Tageszeitung des Landes. Analysten haben Opimus Press – und später die Eigentümerstruktur von Mediaworks – wiederholt mit Lőrinc Mészáros und dem weiteren, mit der Fidesz verbundenen Wirtschaftsnetzwerk in Verbindung gebracht.

In den folgenden Jahren entwickelte sich Mediaworks zu einem zentralen Akteur bei der Konsolidierung regierungsnaher Medien. Das Unternehmen erwarb oder integrierte die überwiegende Mehrheit der regionalen Tageszeitungen sowie mehrere überregionale Titel und Online-Medien. Als Ende 2018 die Central European Press and Media Foundation (KESMA) gegründet wurde, wurden Hunderte von Medienunternehmen unter einem Dach vereint. Mediaworks entwickelte sich zu einem der Kernunternehmen des Systems und übernahm im Jahr 2019 mehrere KESMA-Verlage. Die Regierung stufte die Gründung dieses Medienkonzerns als von strategischer nationaler Bedeutung ein und befreite ihn damit von der üblichen wettbewerbsrechtlichen Prüfung.

Kritiker argumentieren, dass Mediaworks in der Folge zum Flaggschiff des Medienapparats der Orbán-Regierung wurde: Von regionalen Titeln bis hin zu überregionalen Zeitungen hat eine einheitliche redaktionelle Linie konsequent die Botschaften und Kampagnen der Regierung unterstützt. Heute gilt das Unternehmen als eines der wichtigsten Medienzentren der KESMA und erreicht Millionen von Lesern über Dutzende von Print- und Online-Medien. Während die Regierung diese Umstrukturierung des Medienmarktes als legitime wirtschaftliche Entwicklung darstellt, behaupten sowohl inländische als auch internationale Medienorganisationen, dass die Entstehung von Mediaworks und KESMA den regierungsfreundlichen Einfluss auf die öffentliche Sphäre Ungarns erheblich verstärkt habe.

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