Orbáns jüngster Coup ist ein Geschäft im Wert von 1,3 Billionen Forint mit einem Orbán-nahen Unternehmen, wie Dokumente zeigen

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Ungarns Vorgängerregierung unter dem ehemaligen Premierminister Viktor Orbán hat nach Berichten ungarischer Medien HVG nur wenige Wochen vor den Parlamentswahlen einen Rahmenvertrag im Wert von mehr als 1,3 Billionen Forint (3,3 Milliarden Euro) mit einer Tochtergesellschaft von 4iG für Verteidigungs- und Raumfahrttechnologie unterzeichnet.

Die Vereinbarung, die Berichten zufolge Mitte März unterzeichnet wurde und Anfang April in Kraft tritt, verpflichtet den ungarischen Staat zu einer langfristigen Zusammenarbeit bis zum 31. Dezember 2035. Der Vertrag wurde zwischen dem Verteidigungsministerium und der Logistikabteilung der ungarischen Streitkräfte auf der einen Seite und der 4iG Space and Defence Technologies Plc. auf der anderen Seite geschlossen.

Der Wert des Rahmenvertrags beläuft sich auf 1.311.050.000.000 Forint, ein Betrag, der so hoch ist, dass ungarische Medien ihn mit dem Kaufpreis des Budapester Flughafens für den Staat und mehreren Monatsausgaben für die staatliche Rente verglichen.

Geheimes Digitalisierungsprogramm

Dem HVG-Bericht zufolge betrifft der Vertrag das “Entwicklungsprogramm zur Digitalisierung des geheimen ungarischen Kommando- und Kontrollsystems während besonderer gesetzlicher Fristen”. Der genaue Umfang des Programms wurde jedoch nicht öffentlich bekannt gegeben.

Das Verteidigungsministerium bestätigte Berichten zufolge die Existenz der Vereinbarung, weigerte sich jedoch, weitere Einzelheiten zu nennen, und berief sich dabei auf nationale Sicherheits- und Verteidigungsgesetze, die den Vertrag als nicht öffentlich einstufen. Das Ministerium erklärte lediglich, dass die Vereinbarung das Ergebnis einer “mehrjährigen Vorbereitung durch die Regierung” sei.

Es sind auch Fragen über den Zeitpunkt des Abschlusses aufgetaucht. Die Vereinbarung wurde von der Regierung etwa einen Monat vor der Wahl unterzeichnet und trat kurz vor der Wahl selbst in Kraft, wodurch die neue Regierung effektiv an eine große langfristige Verpflichtung gebunden wurde.

Es wird erwartet, dass die neue ungarische Regierung unter der Führung von Péter Magyar das Abkommen im Rahmen der offiziellen Regierungsübergabe überprüfen wird.

Die wachsende Rolle von 4iG in strategischen Sektoren

In den letzten zehn Jahren hat sich 4iG schnell von einem einheimischen IT-Unternehmen zu einem der größten ungarischen Telekommunikations- und Technologiekonzerne entwickelt, unterstützt durch eine Reihe von staatlich gelenkten Übernahmen und Verträgen während der Fidesz-Ära.

Die an der Vereinbarung beteiligte Verteidigungstochter wurde 2024 gegründet und konzentriert sich auf Satellitentechnologie, Drohnenherstellung, Drohnenabwehrsysteme und die Verarbeitung von Erdbeobachtungsdaten. Das Unternehmen hat außerdem das HUSAT-Satellitenprogramm gestartet und baut in Martonvásár das erste ungarische Produktionszentrum für die Raumfahrtindustrie auf.

Trotz seiner strategischen Ambitionen hat das Tochterunternehmen Berichten zufolge im vergangenen Jahr nur etwa 12 Milliarden Forint Umsatz erzielt, während die 4iG-Gruppe insgesamt 764 Milliarden Forint erwirtschaftete. Die jetzt bekannt gewordene Vereinbarung stellt daher einen Vertragswert dar, der die Jahreseinnahmen der Tochtergesellschaft um ein Vielfaches übersteigt.

Bedenken über Transparenz

Oppositionsstimmen und Analysten werden wahrscheinlich Bedenken hinsichtlich der Transparenz und der Aufsicht äußern, insbesondere angesichts des geheimen Charakters des Projekts und der enormen Summen, um die es geht.

Ausgehend vom Verteidigungshaushalt der ungarischen Regierung für 2025 könnte das Rahmenabkommen etwa 7 Prozent der jährlichen Militärausgaben ausmachen, wenn es gleichmäßig über die Laufzeit verteilt würde. Selbst innerhalb der Verteidigungsindustrie, in der Projekte oft außergewöhnlich kostspielig sind, bezeichneten Analysten das Ausmaß des Abkommens als bemerkenswert.

Weder das Verteidigungsministerium noch 4iG haben öffentlich bekannt gegeben, ob bereits Zahlungen im Rahmen des Vertrages geleistet wurden.

Abgebildetes Bild: 4iG Hauptsitz in Budapest. Quelle: Wikimedia Commons

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