Ungarn will im Zuge der Überarbeitung der Straßenverkehrsordnung (KRESZ) ein neues Verkehrszeichen einführen

Ungarn könnte im Rahmen der geplanten Überarbeitung der Straßenverkehrsordnung (KRESZ) bald eine völlig neue Art von Verkehrszeichen einführen. Der Gesetzesentwurf, der seit Monaten diskutiert wird, sieht ein Zusatzschild für Fahrgemeinschaften vor, das in Ungarn noch nie verwendet wurde.
Dieses Verkehrszeichen würde darauf hinweisen, dass bestimmte Fahrspuren oder Straßenabschnitte nur von Fahrzeugen benutzt werden dürfen, die eine Mindestanzahl von Personen, einschließlich des Fahrers, befördern. Die erforderliche Anzahl der Insassen würde direkt auf dem neuen Straßenschild angezeigt, so dass klar ist, welche Fahrzeuge dafür in Frage kommen.
Haben Sie schon gehört? Der mitteleuropäische Automarkt ist im Umbruch: Elektrofahrzeuge und neue Akteure verändern die Branche. Außerdem wird eine wichtige Budapester Brücke bald erneuert, der Entwurfsprozess hat gerade begonnen.
Wie das neue Straßenschild in der Praxis funktioniert
Die Idee ist einfach: Autos mit mehr Fahrgästen werden bevorzugt behandelt. In der Praxis könnte dies bedeuten, dass Autofahrer, die alleine fahren, bestimmte Fahrspuren nicht benutzen dürfen, insbesondere zu Stoßzeiten. Das Konzept basiert auf den so genannten HOV-Spuren (High-Occupancy Vehicle), die gemeinhin als “Fahrgemeinschaftsspuren” bezeichnet werden.
Wie Vezess.hu hervorhebt, sollen diese die Anzahl der Fahrzeuge auf der Straße reduzieren, indem sie Menschen dazu ermutigen, Fahrten zu teilen. In der Regel sind mindestens zwei oder drei Personen in einem Fahrzeug erforderlich, um solche Fahrspuren zu nutzen. Durch die Erhöhung der durchschnittlichen Auslastung hoffen die Behörden, Staus abzubauen und den Schadstoffausstoß zu verringern – zwei anhaltende Herausforderungen im städtischen Verkehr.

Internationale Beispiele brachten gemischte Ergebnisse
Obwohl sie in Ungarn neu sind, sind Fahrgemeinschaftsspuren in Ländern wie den Vereinigten Staaten und Kanada, wo sie sich oft über Tausende von Kilometern erstrecken, gut eingeführt. In einigen Fällen sind diese Fahrspuren räumlich getrennt und können sogar je nach Verkehrsfluss die Richtung wechseln. Weitere Varianten erlauben die Nutzung durch Elektrofahrzeuge, Busse oder Motorradfahrer oder erlauben es Alleinfahrern, für den Zugang über “HOT-Spuren” zu bezahlen.
In Europa hat das Konzept jedoch nur gemischten Erfolg gehabt. Frühe Versuche in den Niederlanden scheiterten an der geringen Nutzung und an rechtlichen Problemen, während ähnliche Initiativen in Städten wie Leeds schließlich aufgegeben oder umgewidmet wurden. Eine bemerkenswerte Ausnahme bildet Madrid, wo seit den 1990er Jahren erfolgreich Bus-VAO (Vehículos de Alta Ocupación) Fahrspuren eingerichtet wurden. Auch in anderen Städten wie Oslo, Linz und Paris gibt es Fahrgemeinschaftsspuren, die aber oft nur begrenzt oder unter bestimmten Bedingungen genutzt werden.
Es ist noch unklar, wann das neue Verkehrszeichen zusammen mit anderen geplanten Regelungen offiziell in Kraft treten wird, aber wenn die Regeln effektiv umgesetzt werden – mit angemessener Durchsetzung und ausreichender Verkehrsnachfrage – könnte die Einführung von Fahrgemeinschaftsspuren den Verkehr im ganzen Land verändern.
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