“Selbst mit unserer Unterstützung konnten sie nichts tun”: Kreml bereitet sich angeblich auf mögliche Orbán-Niederlage vor

Berichten zufolge betrachtet der Kreml die Wiederwahl von Viktor Orbán nicht mehr als sicher. Quellen, die der russischen Präsidialverwaltung nahe stehen, erklärten gegenüber der unabhängigen russischen Nachrichtenagentur Meduza, dass Moskau sich nun aktiv auf die Möglichkeit einer Niederlage der Fidesz bei den ungarischen Parlamentswahlen am Sonntag vorbereitet.
Dem Bericht zufolge ging man im Kreml anfangs davon aus, dass sich Orbáns Partei noch erholen und die Wahl mit der nationalen Parteiliste gewinnen könnte. Als dies immer unwahrscheinlicher wurde, setzten die russischen Strategen ihre Hoffnungen angeblich auf Siege in den ungarischen Einzelwahlkreisen. Nun wird aber selbst dieses Ausweichszenario nicht mehr als garantiert angesehen.
Eine von Meduza zitierte Quelle sagte, Moskau akzeptiere nun, dass selbst ein Erfolg auf Bezirksebene ausbleiben könnte.
Dies deckt sich mit den jüngsten unabhängigen Umfragen, die die Theiß-Partei von Péter Magyar nur wenige Tage vor der Wahl weiterhin vor dem Fidesz sehen. Reuters berichtet, dass die Theiß-Partei bei den entschlossenen Wählern immer noch in Führung liegt, was den Eindruck verstärkt, dass Orbán die ernsthafteste Bedrohung für seine 16-jährige Herrschaft darstellt.
Russische Medien haben bereits ein Narrativ für die Zeit nach der Wahl parat
Eine der politisch brisantesten Behauptungen in dem Meduza-Bericht ist, dass die staatlich kontrollierten russischen Medien bereits eine Erklärung für den Fall einer Niederlage Orbáns vorbereitet haben.
Einem mit dem Kreml verbundenen Strategen und einer mit den Überlegungen in Moskau vertrauten Quelle zufolge würde eine Fidesz-Niederlage von den russischen Propagandakanälen wahrscheinlich als eine von der EU orchestrierte “farbige Revolution” und nicht als eine einfache demokratische Niederlage dargestellt werden.
Dieselben Quellen behaupteten, dass Orbáns Kampagne zwar nicht direkt von Wladimir Putins Präsidialamt gesteuert wird, aber angeblich “Hilfe” bei ihren Operationen in den sozialen Medien erhalten hat, insbesondere bei der Nachrichtenübermittlung und dem Aufbau eines Online-Images.
Westliche Medien, darunter die Financial Times und die Washington Post, haben bereits über angebliche russische Bemühungen berichtet, Orbáns Umfragewerte durch Online-Desinformation und Angriffe auf Theiß zu verbessern, obwohl sowohl der Kreml als auch die russische Botschaft in Budapest jegliche Einmischung bestritten haben.
Putin könnte Orbán die Schuld geben, wenn Fidesz verliert
Das vielleicht bemerkenswerteste Detail aus dem Meduza-Bericht ist die Andeutung, dass Putin selbst Orbán und seinen inneren Kreis für eine Niederlage verantwortlich machen würde.
Eine Quelle fasste die Stimmung unverblümt zusammen:
"Selbst mit unserer Unterstützung könnten sie nichts ausrichten.”
In den letzten Jahren wurde Orbán weithin als einer von Putins wichtigsten Verbündeten innerhalb der Europäischen Union angesehen, insbesondere in Bezug auf Sanktionen, die Ukraine-Politik und das institutionelle Vetorecht.
Eine Niederlage am Sonntag würde also nicht nur die Innenpolitik Ungarns verändern, sondern könnte auch einen großen geopolitischen Rückschlag für den Einfluss des Kremls in Europa bedeuten.
Warum dies für die Wahlen in Ungarn in 2 Tagen wichtig ist
Da die Wahlen nur noch zwei Tage entfernt sind, dürften die Behauptungen von Meduza die ohnehin schon heftige Debatte über den ausländischen Einfluss auf den ungarischen Wahlkampf noch verstärken.
Der Kontext macht die Geschichte besonders bedeutsam: Mehrere aktuelle Hochrechnungen deuten darauf hin, dass Tisza sogar auf eine verfassungsmäßige Zweidrittelmehrheit zusteuern könnte, was das Ende der Ära Orbán in der dramatischsten politischen Veränderung seit 2010 bedeuten könnte. Reuters zitierte diese Woche eine Medián-Projektion, nach der die Theiß deutlich über der Schwelle zur Supermajorität liegt.

