Ehemaliger slowakischer Polizeichef warnt Ungarns Amt für Vermögensrückgewinnung: „Zwei Jahre sollten für die Rechenschaftspflicht ausreichen“

Der ehemalige slowakische Polizeichef István Hamran hat den Leiter der neu gegründeten ungarischen Behörde für Vermögensrückgewinnung und Vermögensschutz (NVVH) kritisiert und erklärt, es sei inakzeptabel zu behaupten, dass sechs Jahre lang keine rechtskräftigen Verurteilungen wegen Korruption zu erwarten seien.

Hamran, der von 2021 bis 2023 die slowakische Polizei leitete, sprach in einem Interview mit dem slowakisch-ungarischen Nachrichtenportal Bumm.sk über Ungarns neue Antikorruptionsbehörde, Rechenschaftspflicht und die Herausforderungen, denen Ermittler gegenüberstehen.

Er erklärte, er sei anfangs etwas skeptisch gegenüber der Idee gewesen, eine eigene Behörde zur Rückführung von Vermögenswerten zu schaffen, die angeblich durch öffentliche Ausschreibungen und andere Machenschaften veruntreut wurden. Er räumte jedoch ein, dass das NVVH mit weitreichenden formellen Befugnissen, einem eigenen Haushalt und eigenem Personal ausgestattet worden sei.

„Auf dem Papier sind die Voraussetzungen gut“, sagte Hamran.

„Sechs Jahre ohne Ergebnisse sind inakzeptabel“

Hamran äußerte sich besonders kritisch gegenüber Anna Róza Unger, der Politikwissenschaftlerin, die vom ungarischen Parlament für sechs Jahre an die Spitze der NVVH berufen wurde. Unger verfügt über keinerlei Erfahrung als Ermittlerin, Staatsanwältin oder Richterin, obwohl Hamran der Ansicht ist, man solle ihr die Chance geben, sich zu beweisen.

Was er jedoch als inakzeptabel empfand, war Ungers Andeutung, dass es unrealistisch sei, innerhalb von sechs Jahren rechtskräftige Verurteilungen zu erwarten.

„Ich verstehe, dass ungarische Gerichte langsam arbeiten, aber selbst als Leiterin einer neuen Behörde darf man so etwas nicht im Voraus sagen“, erklärte Hamran. „Das entmutigt diejenigen, die auf eine Rechenschaftspflicht warten.“

Er verwies auf die Erfahrungen der Slowakei nach 2020, als die Ermittlungen hochrangige Politiker, Polizeichefs, Staatsanwälte und Persönlichkeiten aus der Wirtschaft erfassten. Laut Hamran wurden mehr als 40, fast 50 Personen, innerhalb von zwei Jahren rechtskräftig verurteilt.

„Wenn ein Land Geld, Energie, Experten und sechs Jahre in eine eigens zu diesem Zweck geschaffene Behörde investiert, diese aber kein einziges Ergebnis vorweisen kann, das durch ein rechtskräftiges Urteil untermauert ist, würde ich sie sofort auflösen“, sagte er.

„Es kommt auf die Menschen an, nicht auf das Organigramm“

Hamran argumentierte, dass der Erfolg einer Antikorruptionsbehörde letztlich weniger von ihren formellen Befugnissen als vielmehr von den Menschen abhängt, die in ihr tätig sind.

Während seiner Zeit als Polizeichef der Slowakei habe er Ermittler, die er für unglaubwürdig hielt, durch erfahrene Beamte und jüngere Nachwuchskräfte ersetzt. Dies habe, so seine Aussage, dazu beigetragen, das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Polizei erheblich zu stärken und Ermittlungen gegen zuvor unantastbare Persönlichkeiten zu ermöglichen.

Er warnte zudem, dass Ermittler politische Unabhängigkeit und persönlichen Mut benötigten.

„Man braucht Fachleute, die sich nicht kaufen lassen, die nicht Politikern, Oligarchen oder einflussreichen Geschäftsleuten dienen wollen, sondern dem öffentlichen Interesse“, sagte er.

Eine Warnung aus der Slowakei

Hamran ist der Ansicht, dass Ungarn vor einer weiteren Herausforderung steht: sicherzustellen, dass institutionelle Reformen auch künftige Regierungswechsel überstehen. Er verwies auf die Slowakei, wo auf die Rückkehr von Robert Fico an die Macht die Abschaffung der Nationalen Kriminalbehörde (NAKA) und der Sonderstaatsanwaltschaft folgte.

Für Ungarn, so sagte er, sollte dies eine Warnung sein, dass die bloße Schaffung einer mächtigen neuen Institution nicht ausreicht. Es bedarf starker rechtlicher und gesellschaftlicher Absicherungsmaßnahmen, um es einer künftigen Regierung zu erschweren, diese Institution wieder abzubauen.

Hamran ist zudem der Ansicht, dass die Regierung unter Péter Magyar vermeiden muss, die Rechenschaftspflicht in politische Rache zu verwandeln.

„Politiker dürfen nicht entscheiden, wer in Handschellen gelegt oder inhaftiert werden soll“, sagte er. Ermittler sollten begründete Verdachtsmomente untersuchen, unabhängig davon, wer daran beteiligt ist, während letztlich die Gerichte über die Schuld entscheiden müssen.

Der ehemalige Polizeichef warnte zudem davor, dass Viktor Orbán letztendlich wieder an die Macht zurückkehren könnte, sollte die neue Regierung die Erwartungen der Wähler nicht erfüllen. Für Magyar, so sagte er, sei die Gründung der NVVH daher nur der Anfang. Die Behörde müsse rasch rechtmäßige und glaubwürdige Ergebnisse vorweisen, sonst riskiere sie, genau jene Wähler zu enttäuschen, die Rechenschaft gefordert hätten.

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