Donaudürre: Mitteleuropäische Länder müssen gemeinsam handeln, da die Energiesysteme unter Druck geraten – Analyse

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Die rekordtiefen Wasserstände der Donau sind nicht mehr nur ein Umwelt- oder Landwirtschaftsproblem. Eine neue regionale Analyse warnt davor, dass die Dürre die Energiesicherheit in ganz Mittel- und Osteuropa zunehmend unter Druck setzt – und unterstreicht die Notwendigkeit, dass die Anrainerstaaten der Donau die Krise gemeinsam bewältigen müssen.
Die Donaudürre hat deutlich gemacht, wie eng Wasserwirtschaft, Stromerzeugung, Verkehr und Energiesicherheit miteinander verflochten sind. Ungarn, Rumänien und Serbien gehören zu den am stärksten betroffenen Ländern, während sich Österreich, die Slowakei und Bulgarien laut einer neuen Analyse des Ungarischen Instituts für Internationale Angelegenheiten (HIIA) bislang als widerstandsfähiger erwiesen haben.
Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die extremen Bedingungen des Sommers 2026 eine Anfälligkeit offenbart haben, die weit über die traditionelle Wasserwirtschaft hinausgeht. Außergewöhnlich niedrige Flusspegel können die Stromerzeugung aus Wasserkraft verringern, die Kühlkapazität von Kernkraftwerken einschränken, den Transport von Brennstoffen und anderen Gütern stören und die Abhängigkeit der Länder von Stromimporten erhöhen.
Für die Anrainerstaaten der Donau unterstreicht die Krise zudem die Bedeutung koordinierter regionaler Maßnahmen. Da die Stromnetze miteinander verbunden sind und der Fluss mehrere Länder durchfließt, können Maßnahmen eines Staates Auswirkungen auf seine Nachbarn haben – insbesondere wenn mehrere Länder gleichzeitig von einer Dürre betroffen sind.
Ungarn gehört zu den am stärksten von der Donaudürre betroffenen Ländern
Ungarn ist besonders gefährdet, da das Kernkraftwerk Paks, die einzige kerntechnische Anlage des Landes, für die Kühlung auf Donauwasser angewiesen ist. Das Kraftwerk liefert normalerweise rund die Hälfte des ungarischen Stroms, weshalb sein Betrieb für die nationale Energiesicherheit von entscheidender Bedeutung ist.
Während der schwersten Phase der Dürre zwangen außergewöhnlich niedrige Wasserstände und ungewöhnlich warmes Flusswasser Paks dazu, seine Leistung drastisch zu drosseln. Obwohl ein vorübergehender Anstieg des Donauwasserstands Anfang dieser Woche die Wiederinbetriebnahme einer weiteren Turbine ermöglichte, erwies sich diese Verbesserung als nur von kurzer Dauer.

Am 15. August lief Paks nur mit etwa 25 Prozent seiner Kapazität, wobei die Regierung Notfallmaßnahmen vorbereitete, um weitere Einschränkungen zu verhindern. Ungarn plant, zwei 80 Meter lange Lastkähne in der Nähe des Kraftwerks zu versenken, um den örtlichen Wasserstand vorübergehend anzuheben, während als längerfristige Lösung eine unter Wasser liegende Konstruktion im Flussbett vorbereitet wird.
Die Situation verdeutlicht, wie schwierig es ist, die Kernenergieerzeugung kurzfristig zu ersetzen. Ungarn hat die Solarenergie rasch ausgebaut, während die Stromerzeugung aus Gas und Stromimporte dazu beitragen können, einen Teil der ausgefallenen Leistung auszugleichen. Diese Quellen können jedoch ein großes Kernkraftwerk nicht unbedingt sofort oder über den gesamten Tag hinweg kontinuierlich ersetzen.
Die Krise wirft zudem Fragen hinsichtlich künftiger Investitionen in die Kernenergie auf. Ungarn überprüft derzeit bestimmte Aspekte des geplanten Paks-II-Projekts, da die vorgeschlagene Anlage ebenfalls auf die Donau zur Kühlung angewiesen wäre.

Rumänien muss beide Kernreaktoren abschalten
Rumänien sah sich mit einer noch dramatischeren Situation konfrontiert. Die beiden Kernreaktoren des Landes in Cernavodă, die normalerweise etwa ein Fünftel des rumänischen Stroms liefern, mussten beide vom Netz genommen werden, da der Wasserstand der Donau weiter sank. Ein Reaktor wurde Ende Juli abgeschaltet, während der Betreiber am 13. August damit begann, den verbleibenden Reaktor vom Netz zu trennen.
Die rumänischen Behörden ergriffen außergewöhnliche Maßnahmen, um den letzten Reaktor in Betrieb zu halten. Dazu gehörten das Ausbaggern des Flussbetts, die Beseitigung eines Felshindernisses sowie der Einsatz von mit Gestein beladenen Lastkähnen, um mehr Wasser in Richtung des Kernkraftwerks umzuleiten. Der anhaltende Rückgang des Donau-Pegels machte jedoch letztendlich eine kontrollierte Abschaltung unvermeidlich.
Rumänien rief für den August den Energie-Notstand aus und forderte Haushalte und Unternehmen auf, den Stromverbrauch während der abendlichen Spitzenzeiten zu reduzieren. Die Regierung hat zudem den Einsatz anderer Energiequellen verstärkt, darunter Windkraft, Wasserkraft und ein Braunkohlekraftwerk.
Die Abschaltung hat Auswirkungen über die Grenzen Rumäniens hinaus. Moldawien, das in hohem Maße auf rumänische Stromimporte angewiesen ist, sieht sich nun mit der Möglichkeit konfrontiert, Strom aus teureren alternativen Quellen beziehen zu müssen oder Stromabschaltungen einzuführen.
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Serbien steht sowohl vor Energie- als auch vor Verkehrsproblemen
Die Herausforderungen Serbiens sind zwar etwas anders gelagert, stehen jedoch ebenfalls in engem Zusammenhang mit der Donau. Geringere Wasserstände haben zu Produktionsrückgängen bei großen Wasserkraftwerken geführt, während die Rolle des Flusses als wichtiger Verkehrskorridor zusätzliche Schwierigkeiten für die Energiesicherheit mit sich gebracht hat.
Aufgrund der außergewöhnlich niedrigen Wasserstände können Frachtschiffe nicht mit ihrer normalen Kapazität operieren. Dies erschwert den Transport von Diesel und anderen strategisch wichtigen Gütern und könnte die inländische Versorgung zusätzlich unter Druck setzen.
Laut der HIIA-Analyse hat Serbien darauf reagiert, indem es Treibstoffreserven freigegeben und versucht hat, alternative Stromerzeugungskapazitäten auszubauen.
Die Situation verdeutlicht, warum die Donaudürre nicht als isoliertes Problem betrachtet werden kann, das einzelne Länder betrifft. Ein und derselbe Fluss ist gleichzeitig eine Quelle für Kühlwasser, Wasserkraft und Trinkwasser sowie eine wichtige Transportroute.
Österreich, die Slowakei und Bulgarien haben sich als widerstandsfähiger erwiesen
Auch Österreich, die Slowakei und Bulgarien standen unter dem Druck der Dürre, doch ihre Energiesysteme konnten den Schock bislang besser abfedern. Österreich konnte die geringere Wasserkraftproduktion teilweise durch Solar- und Windenergie sowie durch erhöhte Stromimporte ausgleichen.
Die Kernkraftwerke der Slowakei sind weniger direkt auf Donauwasser zur Kühlung angewiesen, da sie Kühltürme nutzen, wodurch ihre Anfälligkeit gegenüber niedrigen Flusspegelständen verringert wird. Auch das bulgarische Kernkraftwerk Kosloduj verfügt über eine spezielle Infrastruktur, die für außergewöhnlich niedrige Flusspegelstände ausgelegt ist und somit eine größere Widerstandsfähigkeit bietet als Anlagen, die stärker direkt vom Flusslauf abhängig sind.
Diese Unterschiede zeigen, dass die Auswirkungen desselben Klimaereignisses je nach nationaler Energieinfrastruktur und der Verfügbarkeit alternativer Energiequellen erheblich variieren können.
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Warum die Anrainerstaaten der Donau gemeinsam handeln müssen
Die wichtigste Erkenntnis aus der Dürre von 2026 ist, dass Wassersicherheit zunehmend zu Energiesicherheit wird. Dieselben Wasserressourcen könnten gleichzeitig für die Kühlung von Kernkraftwerken, die Wasserkraftgewinnung, die Bewässerung, die Trinkwasserversorgung, die Schifffahrt und den Erhalt natürlicher Ökosysteme benötigt werden. Da der Klimawandel die Wahrscheinlichkeit länger andauernder Hitzewellen und Dürren erhöht, könnte es häufiger zu Konflikten zwischen diesen Bedürfnissen kommen.
Die HIIA-Analyse weist daher auf die Notwendigkeit langfristiger Investitionen in diversifizierte Energiesysteme, eine verbesserte Wasserspeicherung, widerstandsfähigere Kühltechnologien und eine verstärkte grenzüberschreitende Zusammenarbeit hin.
Regionale Koordination könnte bei gleichzeitigen Krisen besonders wichtig werden. Die Strommärkte Mittel- und Osteuropas sind eng miteinander vernetzt, was bedeutet, dass ein Engpass in einem Land schnell Auswirkungen auf Nachbarstaaten haben kann. Wenn mehrere Länder gleichzeitig von einer Dürre betroffen sind, könnten zudem gerade jene Länder, die normalerweise Notstromimporte bereitstellen, selbst mit einer verminderten Stromerzeugung zu kämpfen haben.
Dies bedeutet, dass die Länder entlang der Donau ein gemeinsames Interesse daran haben, sich gemeinsam auf künftige Dürren vorzubereiten. Eine koordinierte Wasserwirtschaft, der Informationsaustausch, Notfallplanung und die Zusammenarbeit auf dem Strommarkt könnten dazu beitragen, das Risiko zu verringern, dass sich eine lokale Wasserkrise zu einer regionalen Energiekrise ausweitet.
Die Dürre von 2026 hat eine ernste Warnung gegeben: Die künftige Widerstandsfähigkeit der Donauregion wird nicht nur davon abhängen, wie einzelne Länder ihre eigenen Wasser- und Energiesysteme verwalten, sondern auch davon, wie effektiv sie gemeinsam reagieren können.
Für Mitteleuropa ist die Donau nicht mehr nur ein Fluss, der durch die Region fließt, sondern ein entscheidender Bestandteil der gemeinsamen Energie- und Sicherheitsinfrastruktur der Region.

