Europas älteste Züge verkehren in Ungarn: Verkehrsminister Vitézy macht jahrelange Vernachlässigung dafür verantwortlich

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Ungarn verfügt nun über den ältesten Schienenfahrzeugpark Europas, wie aus einer aktuellen Studie hervorgeht, auf die sich Verkehrs- und Investitionsminister Dávid Vitézy beruft. Er erklärt, dass das Eisenbahnnetz des Landes aufgrund jahrzehntelanger Investitionsrückstände weit hinter dem seiner regionalen Nachbarn zurückgeblieben sei.
In einem am Samstag veröffentlichten Facebook-Beitrag bezeichnete Vitézy die Ergebnisse als „skandalös“ und argumentierte, dass jahrelang gestrichene Beschaffungsvorhaben im Eisenbahnbereich und verzögerte Investitionen ein Problem geschaffen hätten, dessen Behebung viele Jahre in Anspruch nehmen werde.
Ungarn führt Europas unerwünschte Rangliste an
Unter Bezugnahme auf eine Studie des ungarischen Wirtschaftsforschungsinstituts GKI erklärte Vitézy, das Durchschnittsalter der Schienenfahrzeuge in Ungarn liege derzeit bei 42 Jahren – der höchste Wert in Europa. Er stellte diese Zahl den Werten der Nachbarländer gegenüber:
- Rumänien: 32 Jahre
- Polen: 25 Jahre
- Slowakei: 22 Jahre
- Tschechien: 20 Jahre
Nach Angaben des Ministers verdeutlicht diese Lücke nicht nur den Veraltungsgrad der Züge, sondern auch jahrzehntelang versäumte strategische Investitionen.
„Der Ausbau des Schienenverkehrs erfordert eine langfristige Planung und Entscheidungen, die Jahre im Voraus getroffen werden müssen“, schrieb er und argumentierte, dass andere europäische Länder schon vor langer Zeit erkannt hätten, dass der Schienenverkehr eine strategische nationale Priorität sei.
Vitézy macht seinen Vorgänger János Lázár dafür verantwortlich
Vitézy kritisierte seinen Vorgänger, den ehemaligen Verkehrsminister János Lázár, direkt und warf ihm vor, den Ausbau des ungarischen Schienenverkehrs schwer geschädigt zu haben, indem er Beschaffungsprojekte und Infrastrukturinvestitionen ausgesetzt oder gestrichen habe, auch noch in den letzten Tagen seiner Amtszeit.
Der Minister argumentierte, dass die Folgen weit über den Komfort der Fahrgäste hinausreichen. Der Betrieb zunehmend veralteter Züge, so sagte er, mindere die Wettbewerbsfähigkeit des Schienenverkehrs im Vergleich zum Straßenverkehr, obwohl die Bahn sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch die nachhaltigere Option sei. Er fügte hinzu, dass das Thema weitreichende Auswirkungen auf die regionale Entwicklung, die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und die Klimapolitik habe.
Regierung plant umfassende Erneuerung des Zugparks
Vitézy erklärte, die derzeitige Regierung beabsichtige, das ungarische Eisenbahnsystem mithilfe von EU-Mitteln zu modernisieren, die seit Kurzem wieder zur Verfügung stünden. Nach Angaben des Ministers plant die Regierung, 1,8 Milliarden Euro für neues Rollmaterial auszugeben, darunter:
- neue Nahverkehrszüge für das HÉV-Netz in Budapest;
- 35 doppelstöckige elektrische Triebzüge.
Er erklärte, allein diese Anschaffungen würden das Durchschnittsalter der ungarischen Eisenbahnflotte deutlich senken.
Ziel ist eine langfristige Umgestaltung
Vitézy betonte, dass der Austausch veralteter Züge nur ein Teil der umfassenderen Strategie der Regierung sei. Das langfristige Ziel bestehe darin, sicherzustellen, dass Ungarn mit der europaweiten Renaissance des Schienenverkehrs Schritt halte, indem nach – wie er es bezeichnete – Jahrzehnten strategischer Vernachlässigung ein modernes, zuverlässiges und wettbewerbsfähiges Schienennetz geschaffen werde.
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