Die Arbeit “zermürbt” die Ungarn: Neue EU-Umfrage zeigt hohe Erschöpfungsraten

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Ungarische Arbeitnehmer gehören zu den körperlich und geistig am stärksten belasteten in der Europäischen Union, so ein Bericht von Eurofound aus dem Jahr 2024. Die Ergebnisse zeigen ein wachsendes Problem, das sowohl für Arbeitnehmer als auch für Arbeitgeber weitreichende Folgen haben könnte.

Auf die Frage, wie oft sie sich aufgrund ihrer Arbeit psychisch erschöpft fühlen, antworteten 19% der ungarischen Befragten “immer” oder “meistens”. Das ist zwar weniger als der höchste Wert in Zypern (36%), aber Ungarn gehört damit immer noch zu den am stärksten betroffenen EU-Ländern. Im Gegensatz dazu meldeten die Niederlande mit nur 6% die niedrigste Rate.

Noch besorgniserregender ist die Situation, wenn es um die körperliche Belastung geht. Mehr als ein Drittel der ungarischen Arbeitnehmer (37%) berichtete über häufige körperliche Erschöpfung. Damit ist Ungarn laut der Umfrage das am zweitstärksten betroffene Land in der EU, wiederum hinter Zypern.

Burnout und Stress führen zunehmend zu Kündigungen

Experten sagen, dass es nicht mehr nur um die Bezahlung geht. Nach Angaben der WHC Group sind immer mehr Kündigungen in Ungarn auf unkontrollierten Stress, übermäßige Arbeitsbelastung und Burnout zurückzuführen und nicht nur auf Gehaltsforderungen, schreibt G7.

Dieser Wandel ist ein Zeichen für ein tieferes strukturelles Problem am Arbeitsplatz. Anhaltende Erschöpfung beeinträchtigt nicht nur das individuelle Wohlbefinden, sondern hat auch schwerwiegende organisatorische Folgen. Die Unternehmen sehen sich mit einer steigenden Personalfluktuation, sinkender Produktivität und einer Verschlechterung der Arbeitsplatzkultur konfrontiert.

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Laut einem Bericht von Eurofound gehören ungarische Arbeitnehmer zu den körperlich und geistig am stärksten beanspruchten in der Europäischen Union. Foto: depositphotos.com

Das Motivationsniveau liegt hinter dem eines Großteils der EU zurück

Die Daten weisen auch auf eine schwächere Motivation am Arbeitsplatz in Ungarn hin. Nur 61% der ungarischen Arbeitnehmer gaben an, dass ihre Arbeit sie motiviert, gute Leistungen zu erbringen, womit das Land hinter vielen seiner europäischen Konkurrenten zurückliegt. Nur in einer Handvoll Länder, darunter Zypern, Griechenland, die Tschechische Republik und die Slowakei, wurden niedrigere Werte verzeichnet.

Dies deutet darauf hin, dass neben der Arbeitsbelastung und dem Stress auch die allgemeinen Bedingungen am Arbeitsplatz und die Managementpraktiken zur Unzufriedenheit beitragen können.

Sorgen um die Sicherheit am Arbeitsplatz verstärken den Druck

Die Besorgnis über die Arbeitsbedingungen wird durch Mängel bei der Sicherheit am Arbeitsplatz noch verstärkt. Die vom Ungarischen Gewerkschaftsbund zitierten Daten zeigen, dass die Zahl der Arbeitsunfälle in Ungarn im vergangenen Jahr um 5% gestiegen ist, von 20.240 auf 21.252 Fälle.

Die Organisation argumentiert, dass dieser Anstieg Lücken in den Sicherheitsstandards am Arbeitsplatz widerspiegelt, die sowohl die körperliche Belastung als auch den psychischen Stress der Arbeitnehmer erhöhen können.

Begrenzter politischer Fokus auf die Arbeitsbedingungen

Mit Blick auf die Zukunft stellt sich die Frage, ob das Thema ausreichend politische Aufmerksamkeit erhalten wird. Das Programm der Theiss-Partei enthält zwar allgemeine Verpflichtungen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen, wie z.B. die Ausweitung von Tarifverträgen über die Löhne hinaus, aber es fehlt an detaillierten Vorschlägen zur Stärkung des Arbeitsschutzes.

Es gab einige gezielte Versprechen, darunter Pläne zur Überprüfung von Umwelt- und Betriebsgenehmigungen in der Batterieindustrie durch eine spezielle nationale Behörde. Reformen der Arbeitsinspektionen oder der Durchsetzung des Arbeitsschutzes wurden jedoch nicht in den Vordergrund gerückt.

Darüber hinaus deuten die jüngsten Ankündigungen der Regierung an, dass die Gewerkschaften in den künftigen politischen Rahmenbedingungen keine zentrale Rolle spielen werden, was weitere Bedenken hinsichtlich der Vertretung und der Interessenvertretung der Arbeitnehmer aufkommen lässt.

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Eine wachsende Herausforderung für Ungarns Arbeitsmarkt

Zusammengenommen ergeben die Ergebnisse ein beunruhigendes Bild. Ein hohes Maß an körperlicher und geistiger Erschöpfung, verbunden mit Sicherheitsbedenken und relativ geringer Motivation, setzt die ungarischen Arbeitskräfte zunehmend unter Druck.

Ohne sinnvolle Verbesserungen der Arbeitsbedingungen warnen Experten, dass das Land mit einem anhaltenden Rückgang der Produktivität und einer steigenden Fluktuation konfrontiert sein könnte, was eine langfristige Herausforderung für die Wirtschaft insgesamt darstellen würde.

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