Ehemalige Mitarbeiter der öffentlich-rechtlichen Medien äußern sich zu Orbáns 16-jähriger politischer Einflussnahme: Russische Propaganda, Anweisungen und Kontrolle

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Ehemalige und derzeitige Mitarbeiter des ungarischen öffentlich-rechtlichen Rundfunks haben sich in einem Interview mit dem unabhängigen Online-Kanal Partizán über politische Einmischung, redaktionelle Manipulation und die Verwendung ausländischer Propagandanachrichten geäußert.
Vier derzeitige und ehemalige Mitarbeiter des ungarischen öffentlich-rechtlichen Mediennetzwerks sagten, sie hätten in den letzten 16 Jahren eine anhaltende Kontrolle der Nachrichtenproduktion von oben erlebt. Sie beschrieben ein System, das von politischen Erwartungen, eingeschränkter redaktioneller Unabhängigkeit und zentral koordinierten Nachrichten geprägt ist.
Die Aussagen wurden später unter anderem von Telex und HVG veröffentlicht.
“Handgesteuerter Journalismus” und angebliche redaktionelle Anweisungen
Zu den Rednern gehörten Kata Nyitrai, Eszter Dóra Nagy, Anna P. Ujvári und István Bereznay, ein leitender Redakteur bei hirado.hu.
Sie beschrieben ein Arbeitsumfeld, in dem redaktionelle Entscheidungen häufig von der Geschäftsleitung beeinflusst oder direkt geformt wurden. Sie behaupteten, dass zentral erteilte Anweisungen Einfluss darauf hatten, welche Inhalte veröffentlicht werden konnten und wie politische Themen formuliert wurden.
Bereznay sagte, dass es während der Wahlkampagnen ausdrückliche Beschränkungen für die Bezugnahme auf unabhängige, regierungskritische Medien (Telex, HVG, 24.hu, 444, Átlátszó, Magyar Hang) gab, einschließlich der Anforderung einer vorherigen Genehmigung, bevor solche Inhalte verwendet werden durften.
Er erklärte auch, dass der Umgang mit politischen Nachrichten und das Agenda-Setting effektiv “von oben kontrolliert” wurde, wobei er sich auf interne Führungsstrukturen innerhalb der Organisation bezog.
Mehrere Befragte wiesen auf Zsolt Németh hin, der unter dem Spitznamen “Pitbull” bekannt ist und als Programmdirektor von M1 fungiert, als eine Schlüsselfigur, die redaktionelle Anweisungen erteilt. M1 ist Teil des ungarischen öffentlichen Mediensystems, das von der MTVA-Gruppe betrieben wird.
Behauptungen über Propaganda und ausländische Narrative
Einer der schwerwiegendsten Vorwürfe, die in den Zeugenaussagen erhoben wurden, betrifft die Verwendung von Narrativen, die mit der russischen Staatsbotschaft übereinstimmen.
Die Befragten sagten, dass sie zu bestimmten Zeiten Material aus fragwürdigen Quellen verarbeiten und veröffentlichen mussten, darunter auch Inhalte, die russische Propaganda widerspiegeln, insbesondere in der Berichterstattung über die Ukraine.
Diese Aussagen deuten darauf hin, dass einige Nachrichten von externen geopolitischen Narrativen geprägt waren, obwohl ein Teilnehmer anmerkte, dass es unklar sei, ob es sich dabei um eine direkte Beeinflussung oder eine interne redaktionelle Interpretation handelte.
“Man musste auch über bedeutungslose Beiträge berichten”
Eszter Dóra Nagy sagte, dass die Mitarbeiter in den 2020er Jahren angewiesen wurden, über Facebook-Posts ausgewählter Regierungspolitiker zu berichten, auch wenn sie keinen eindeutigen Nachrichtenwert enthielten.
Ihrer Darstellung zufolge waren die Berichterstattungspflichten richtlinienbasiert und ließen den Journalisten nur einen begrenzten redaktionellen Ermessensspielraum. Sie fügte hinzu, dass die Befolgung dieser Anweisungen obligatorisch war und genau überwacht wurde.
Bereznay István bestätigte, dass es ähnliche Erwartungen gab und erklärte, dass die Berichterstattung über unabhängige Medien manchmal nur mit vorheriger Genehmigung erlaubt war oder wenn sie mit den redaktionellen Zielen übereinstimmte.
“Uns wurde gesagt, worüber wir berichten sollten – und worüber nicht”
Anna P. Ujvári beschrieb das System mit drastischen Worten und sagte, dass Fehlinformationen und verzerrte Darstellungen auf allen Plattformen zu finden seien und dass die öffentlichen Medien den Bürgern und Steuerzahlern nicht richtig dienten.
Sie drückte auch ihre persönlichen Schwierigkeiten aus, ihre Rolle innerhalb des Systems zu vereinbaren, was auf ungelöste ethische Bedenken bezüglich ihrer Arbeitserfahrung hindeutet.
Andere Teilnehmer gaben nuanciertere Überlegungen ab. Einige erklärten, sie hätten keinen persönlichen moralischen Konflikt erlebt und argumentierten, dass, wenn sie die Arbeit nicht gemacht hätten, dies jemand anderes getan hätte.
Weiterer Kontext: frühere Lecks und Untersuchungen
Die Aussagen folgen auf frühere Berichte und durchgesickertes Material, die auf tiefere strukturelle Probleme im Ökosystem der öffentlichen Medien in Ungarn hinweisen.
Frühere Untersuchungen unabhängiger Stellen, darunter auch Berichte von Direkt36, haben behauptet, dass regierungsnahe Beamte direkten Einfluss auf die Nachrichtenproduktion der Ungarischen Nachrichtenagentur und die Inhalte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nehmen, einschließlich der wortwörtlichen Veröffentlichung offizieller Erklärungen.
Weitere undichte Stellen und Aufzeichnungen haben zuvor Fragen zu internen redaktionellen Praktiken und politischem Einfluss auf hirado.hu aufgeworfen, einschließlich der Behauptung, dass kritische Inhalte vor der Veröffentlichung genehmigt werden mussten.
Was kommt als Nächstes? Mögliche Ministeriumsumbildung unter der ungarischen Regierung Theiß enthüllt

