Fidesz-Bürgermeister in Ungarn in Gewahrsam genommen

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Der Fidesz-Bürgermeister von Halásztelek wurde in Gewahrsam genommen, nachdem Staatsanwälte am Mittwoch koordinierte Durchsuchungen, Beschlagnahmungen und Zeugenbefragungen an mehreren Orten im Komitat Pest durchgeführt hatten.

Nach Angaben der Zentralen Ermittlungsbehörde wurden zwei Personen als Verdächtige befragt, darunter der Bürgermeister, nachdem eine angebliche Scheinbeschäftigung eines nahen Verwandten untersucht worden war.

Während die Staatsanwaltschaft den Namen des Politikers zunächst nicht nannte, identifizierten ungarische Medien den festgenommenen Bürgermeister als Barnabás Nagy, der Halásztelek leitete und zuvor sowohl im ungarischen Zentralamt für Statistik als auch später im Büroapparat des Ministerpräsidenten tätig war.

Angehöriger angeblich ohne Arbeit bezahlt

Im Mittelpunkt des Falles steht ein 70-jähriger pensionierter Verwandter, der angeblich auf die Gehaltsliste des Büros der Nationalversammlung gesetzt wurde, obwohl er nicht die Absicht hatte, eine wirkliche Arbeit zu leisten, schreibt 444.hu.

Die Staatsanwaltschaft behauptet, dass der Arbeitsvertrag im Oktober 2024 unterzeichnet wurde und technisch gesehen bis zum heutigen Tag aktiv ist.

Obwohl der Verwandte angeblich keine Aufgaben erfüllte, wird er verdächtigt, regelmäßig Gehaltszahlungen und andere Leistungen in Höhe von 13,345 Millionen Forint (etwa 33.000 Euro) kassiert zu haben, von denen ein Teil durch Schmiergelder zurückgeflossen sein soll.

Die Ermittler glauben, dass der Bürgermeister aktiv dazu beigetragen hat, das Arrangement zu erleichtern.

Schwerwiegender Verdacht auf Korruption und Betrug

Die Staatsanwaltschaft sagte, dass der Bürgermeister über mehrere Verdachtsmomente informiert war, darunter:

  • Missbrauch der offiziellen Position,
  • kommerzielle Bestechung in Verbindung mit offizieller Einflussnahme,
  • Betrug mit erheblichem finanziellen Schaden,
  • und die Verwendung falscher privater Dokumente.

Die Anschuldigungen deuten darauf hin, dass die Staatsanwaltschaft den Fall nicht als isolierte administrative Unregelmäßigkeit, sondern als potenziell systematischen Missbrauch öffentlicher Ämter und parlamentarischer Ressourcen behandelt.

Der zweite Verdächtige in diesem Fall darf auf freiem Fuß bleiben, während die Ermittlungen weitergehen.

Ein politisch heikler Fall im Ungarn der Nachwahlzeit

Der Zeitpunkt des Falles ist politisch heikel, da er nur wenige Tage nach den ungarischen Parlamentswahlen und inmitten einer intensiven Prüfung der Ernennungen im öffentlichen Sektor unter dem scheidenden politischen System der Fidesz-Ära erfolgt.

Obwohl sich die Ermittlungen auf ein angebliches Beschäftigungsprogramm und nicht auf die kommunale Entscheidungsfindung selbst beziehen, wird die Verhaftung eines amtierenden Fidesz-Bürgermeisters wahrscheinlich Debatten über klientelistische Netzwerke und die Nutzung staatlicher Institutionen für politische oder persönliche Gefälligkeiten auslösen.

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