Guest worker freeze set to reshape Hungary’s labour market as Tisza government prepares June crackdown

Sprache ändern:

Ungarns neue Regierung unter Tisza bereitet sich darauf vor, die Zulassung neuer Gastarbeiter ab dem 1. Juni auszusetzen. Dieser Schritt könnte den Arbeitsmarkt des Landes erheblich verändern und die Arbeitgeber, die bereits mit einem Arbeitskräftemangel zu kämpfen haben, vor große Herausforderungen stellen.

Die geplante Beschränkung hat unter Ökonomen, Wirtschaftsführern und Arbeitsmarktexperten eine heftige Debatte ausgelöst. Befürworter argumentieren, dass ausländische Arbeitnehmer die ungarischen Löhne drücken, während Kritiker davor warnen, dass ein abrupter Stopp Investitionen, Produktion und sogar bestehende ungarische Arbeitsplätze gefährden könnte.

Jüngsten Zahlen zufolge, die von Telex zitiert wurden, waren im Jahr 2025 rund 125.000 ausländische Staatsangehörige legal in Ungarn beschäftigt, von denen etwa 90.000 aus Nicht-EU-Ländern stammten. Zu den größten Gruppen gehörten Arbeitnehmer aus den Philippinen, der Ukraine, China, Vietnam und Indien.

Das Thema ist nach dem Wahlsieg von Tisza am 12. April zu einer der umstrittensten wirtschaftlichen Fragen geworden, mit denen sich Ungarns neue Regierung konfrontiert sieht.

Ökonomen uneins über ausländische Arbeitskräfte

Die Debatte wurde kürzlich während einer Diskussion in der Sendung Hold After Hours zwischen dem Wirtschaftswissenschaftler Viktor Zsiday und Balázs Szabó geführt, die sehr gegensätzliche Ansichten vertraten.

Zsiday argumentierte, dass die Zulassung einer großen Zahl von Gastarbeitern den Arbeitgebern zugute kommt, da sie die Arbeitskosten niedrig hält und das Lohnwachstum für die Ungarn verlangsamt. Szabó hingegen argumentierte, dass die entwickelten Volkswirtschaften zunehmend auf ausländische Arbeitskräfte angewiesen sind, um Stellen zu besetzen, die Einheimische oft nicht annehmen wollen.

Er verwies auf Wien als Beispiel für eine Stadt, deren Instandhaltung, Renovierung und Dienstleistungen stark von ausländischen Arbeitskräften abhängen.

Die Diskussion spiegelt ein breiteres Dilemma wider, mit dem Ungarn derzeit konfrontiert ist: Sollten höhere Löhne für einheimische Arbeitnehmer Vorrang haben oder sollte sichergestellt werden, dass Unternehmen genügend Arbeitskräfte zur Verfügung haben, um weiterarbeiten und expandieren zu können?

Asian guest worker Hungary
Illustration. Foto: depositphotos.com

Tisza-Regierung bestätigt Aussetzung der Gastarbeiter

Der neu ernannte ungarische Minister für Wirtschaft und Energie, István Kapitány, hat bestätigt, dass der rechtliche Rahmen für Gastarbeiter überprüft und die Zulassung neuer ausländischer Arbeitnehmer ab dem 1. Juni ausgesetzt werden soll.

Während die genaue Dauer des Einfrierens noch unklar ist, findet die politische Botschaft bereits bei vielen ungarischen Wählern Anklang, insbesondere bei denjenigen, die glauben, dass ausländische Arbeitskräfte zum Lohndruck in Sektoren wie der verarbeitenden Industrie, der Lebensmittelversorgung und dem Baugewerbe beigetragen haben.

Viele Arbeitgeber befürchten jedoch, dass die Folgen schwerwiegend sein könnten.

Personalvermittlungsfirmen und multinationale Unternehmen argumentieren, dass der Arbeitskräftemangel in Ungarn eher strukturell als vorübergehend ist. Sie sagen, dass arbeitslose Ungarn oft in den falschen Regionen wohnen oder nicht über die Qualifikationen verfügen, die für moderne Produktionsanlagen, Logistikzentren oder Dienstleistungszentren erforderlich sind.

Unternehmen warnen, dass Investitionen gefährdet sein könnten

Nach Angaben von Arbeitsmarktexperten, die von Telex befragt wurden, sind mehrere große Investitionen, die derzeit in Ungarn getätigt werden, in hohem Maße auf internationale Anwerbung angewiesen.

Unternehmen, die an Projekten wie BMW in Debrecen, CATL und BYD in Szeged beteiligt sind, sind Berichten zufolge nicht in der Lage, genügend Arbeitskräfte allein aus dem inländischen Arbeitskräftepool zu rekrutieren.

Endre Kovács, Direktor für Geschäftsentwicklung bei der Prohuman Group, warnte, dass Unternehmen, die nicht in der Lage sind, die von ihnen benötigten ausländischen Arbeitskräfte anzuwerben, ihre ungarischen Aktivitäten möglicherweise ganz überdenken werden.

Wenn ein multinationales Unternehmen, das 500 Mitarbeiter einstellen will, nicht in der Lage ist, 100 ausländische Arbeitskräfte anzuwerben, die für die Besetzung von Schlüsselpositionen benötigt werden, könnten auch die verbleibenden 400 ungarischen Arbeitsplätze gefährdet sein, argumentierte er.

Wirtschaftsverbände argumentieren außerdem, dass ausländische Arbeitskräfte nicht wirklich billiger sind als ungarische Arbeitnehmer. Die Anwerbung von Arbeitskräften aus Asien ist mit Reisekosten, Visabearbeitung, Unterbringungsmöglichkeiten, Verwaltung und zusätzlicher Unterstützung außerhalb der Arbeitszeit verbunden.

Viele Unternehmen greifen daher erst dann auf Gastarbeiter zurück, wenn sie nicht genügend einheimische Arbeitskräfte finden können.

Asian guest workers Hungary jobs risk government crackdown minimum wage
Illustration. Foto: depositphoto.com

Ausländische Arbeitskräfte machen immer noch einen kleinen Teil der Belegschaft aus

Trotz der hitzigen politischen Debatte liegt der Anteil ausländischer Staatsangehöriger an der gesamten ungarischen Erwerbsbevölkerung nach wie vor nur bei etwa 2,6-3% – deutlich niedriger als in vielen westeuropäischen Ländern und sogar niedriger als in einigen regionalen Vergleichsländern.

Zu den größten Gruppen von Nicht-EU-Beschäftigten in Ungarn gehören derzeit:

  • Philippinen: 16,100
  • Ukraine: 14.300
  • China: 12.300
  • Vietnam: 9.600
  • Indien: 5,900

Ausländische Arbeitskräfte sind vor allem im verarbeitenden Gewerbe, im Baugewerbe, in der Logistik und im Gastgewerbe tätig, insbesondere in Budapest, Zentralungarn, im Komitat Hajdú-Bihar und im Komitat Csongrád-Csanád.

Unterdessen verzeichnete Ungarn im zweiten Quartal 2025 immer noch fast 69.000 unbesetzte Stellen, wie das ungarische Zentralamt für Statistik (KSH) mitteilte.

Arbeitskräftemangel bleibt trotz steigender Arbeitslosigkeit bestehen

Kritiker der bevorstehenden Beschränkungen argumentieren, dass Ungarns Arbeitsmarktprobleme nicht einfach durch ein Verbot von Neuankömmlingen gelöst werden können.

Obwohl die Arbeitslosigkeit nur mäßig gestiegen ist, sind viele arbeitslose Ungarn schon seit längerer Zeit arbeitslos und verfügen nicht über die Qualifikationen, die von großen industriellen Arbeitgebern verlangt werden.

Arbeitsmarktexperten sagen, dass dieses Missverhältnis zunehmend sichtbar wird, da sich Ungarns Wirtschaft auf die Batterieherstellung, die Automobilproduktion und hochwertige Unternehmensdienstleistungen verlagert.

Personalvermittlungsagenturen weisen auch darauf hin, dass Gastarbeiter in der Regel mit befristeten Verträgen und häufig über zertifizierte Personalvermittlungsagenturen beschäftigt werden, so dass sie in Zeiten des wirtschaftlichen Abschwungs leichter abgebaut werden können.

In der Praxis reduzieren viele Unternehmen die Zahl der ausländischen Arbeitskräfte einfach dadurch, dass sie auslaufende Verträge nicht verlängern, anstatt sie in großem Umfang zu entlassen.

Debatte über die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit Ungarns

Die Diskussion über Gastarbeiter ist auch eng mit der Sorge um die langfristige Wettbewerbsfähigkeit Ungarns verknüpft.

Einige Ökonomen warnen, dass ungarische kleine und mittlere Unternehmen Schwierigkeiten haben könnten, mit größeren ausländischen Unternehmen zu konkurrieren, wenn die Löhne zu schnell steigen, ohne mit dem Produktivitätswachstum Schritt zu halten.

Andere argumentieren, dass die Beschränkung ausländischer Arbeitskräfte ungarische Unternehmen gegenüber Konkurrenten in Ländern wie Deutschland, Österreich, Polen oder Serbien benachteiligen könnte, wo der Zugang zu internationalen Arbeitskräften flexibler bleibt.

Wie geht es weiter? Die harte Botschaft der neuen ungarischen Regierung an die Gastarbeiter: Zeit, die Koffer zu packen?

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *