Lebendige Geschichte: Die erste U-Bahn Kontinentaleuropas, die Budapester M1, feiert ihr 130-jähriges Bestehen

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Eines der bekanntesten und beliebtesten Verkehrsmittel Budapests, die U-Bahnlinie “kisföldalatti”, feierte gestern den 130. Jahrestag ihrer Eröffnung. Die offiziell als Millennium Underground Railway (M1) bezeichnete Linie ist nicht nur ein ikonisches Symbol der ungarischen Hauptstadt, sondern war einst auch eine weltweit führende technische Innovation. Heute ist sie Teil des UNESCO-Weltkulturerbes und dient den Fahrgästen täglich als lebendiges historisches Denkmal. Die Linie wartet derzeit auf eine Renovierung. Die Vorbereitungen für die Investition laufen bereits.

Die erste Untergrundbahn auf dem europäischen Kontinent

Die ursprünglich als MillFAV bezeichnete Strecke – heute allgemein als Kisföldalatti bekannt – war die erste U-Bahn auf dem europäischen Kontinent. Sie war von Anfang an für den Betrieb mit elektrischem Strom konzipiert und stellte damals eine bahnbrechende Lösung dar. Sie wurde am 2. Mai 1896 im Rahmen der Tausendjahrfeier Ungarns eingeweiht. Nur wenige Tage später fuhr Kaiser Franz Joseph höchstpersönlich mit der neuen Linie bis zum Stadtpark. Der Herrscher war von diesem hochmodernen Verkehrsmittel so beeindruckt, dass er die Erlaubnis erteilte, es nach ihm zu benennen. Bis 1949 hieß sie offiziell Franz Josephs Elektrische Untergrundbahn (FJFVV).

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Der Bau der unterirdischen Eisenbahnlinie. Foto: BKV

Verflochten mit der Entwicklung von Budapest

Die Geschichte der Kisföldalatti ist seit fast anderthalb Jahrhunderten eng mit der Entwicklung von Budapest verbunden. Obwohl die Strecke mehrfach umgebaut und modernisiert wurde, sind viele ihrer ursprünglichen Elemente erhalten geblieben. Im Jahr 1973 wurde die gesamte Strecke erneuert: Alle Bahnhöfe wurden unter die Erde verlegt und die Strecke wurde bis zur Mexikói Straße verlängert. Eine größere Renovierung folgte 1995, als die Bahnhöfe entlang des ursprünglichen Abschnitts ihr unverwechselbares historisches Aussehen zurückerhielten.

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Foto: BKV

Zum Weltkulturerbe gehörende Bahnhöfe

Die zum Weltkulturerbe gehörenden Bahnhöfe sind auch heute noch mit weißen und braunen Zsolnay-Kacheln und verzierten Säulenkapitellen ausgestattet, die an die Atmosphäre der Jahrhundertwende erinnern. Oberirdisch befanden sich einst Jugendstil-Eingangspavillons, die von Albert Schickedanz, dem Architekten des Museums der Schönen Künste, entworfen wurden. Diese Strukturen sind heute nur noch auf Archivfotos und in maßstabsgetreuen Modellen zu sehen, die im U-Bahn-Museum am Deák-Platz ausgestellt sind, das sich in einem erhaltenen Abschnitt des ursprünglichen Tunnels befindet.

Ausländische Experten untersuchten das Budapester System

Die Millennium-U-Bahn erregte zur Zeit ihres Baus großes internationales Interesse. Experten aus Frankreich und Deutschland untersuchten das Budapester System, und sogar der Bürgermeister von Berlin stattete ihr einen Besuch ab. Die Pariser Metro – in deren Stadt die Weltausstellung stattfand, bei der die Budapester Linie eine Goldmedaille gewann – wurde im Jahr 1900 eröffnet, gefolgt von der Berliner U-Bahn im Jahr 1902, die beide vom ungarischen Beispiel beeinflusst waren.

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Foto: BKV

Auch die “Alte Dame” wird 130 Jahre alt

Nicht nur die Linie selbst feiert einen Meilenstein, sondern auch eines ihrer frühesten Fahrzeuge feiert sein 130-jähriges Jubiläum. Der Wagen Nummer 11, der von der Öffentlichkeit liebevoll “Old Lady” genannt wird und heute als historisches Fahrzeug eingesetzt wird, stammt noch aus der ursprünglichen Flotte. Das 1996 anlässlich der Hundertjahrfeierlichkeiten vollständig restaurierte Fahrzeug erstrahlt in seiner ursprünglichen Pracht und bietet bei jeder Fahrt ein einzigartiges Erlebnis. Jedes Mal, wenn er das Depot für eine nostalgische Fahrt verlässt, stößt er auf großes Interesse und Begeisterung.

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Die “Alte Dame”. Foto: Wikimedia Commons

Wartet auf eine umfassende Renovierung

Die Linie wartet derzeit auf eine umfassende Renovierung, wobei die Vorbereitungsarbeiten im Gange sind. Das Projekt wird von weiteren Konsultationen und den verfügbaren Finanzmitteln abhängen. Die Pläne sehen vor, die Strecke zu verlängern, die Zugänglichkeit zu verbessern und die Umsteigemöglichkeiten zu erhöhen, wobei die strengen Anforderungen des Denkmalschutzes eingehalten werden sollen.

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Foto: BKV

Was kommt als Nächstes? Große Überholung der historischen Budapester U-Bahnlinie M1 geplant!

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