Ungarn hält die EU-Gespräche mit der Ukraine unter Magyar auf Eis – hier ist der Grund

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Der neue ungarische Premierminister Péter Magyar hat Berichten zufolge den EU-Staats- und Regierungschefs mitgeteilt, dass seine Regierung die Aufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine nur dann unterstützen wird, wenn Kiew die Rechte der ethnischen ungarischen Minderheit in der Ukraine ausweitet, berichtet Bloomberg unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Diese Haltung wird in Brüssel und Kiew genau beobachtet, da Ungarn als eines der Haupthindernisse für eine Beschleunigung des ukrainischen EU-Beitritts angesehen wird. Dem Bericht von Bloomberg zufolge haben EU-Beamte Magyar gedrängt, den bisherigen Widerstand Ungarns gegen die Aufnahme von Beitrittsgesprächen zu ändern.

Magyar hat auch signalisiert, dass er direkte Gespräche mit dem ukrainischen Präsidenten Volodymyr Zelenskiy wünscht und ein Treffen in Berehove (Berehovo/Beregszász) in der westukrainischen Region Transkarpatien (Kárpátalja) vorgeschlagen. In einer öffentlichen Botschaft bezeichnete er die Initiative als Unterstützung für ethnische Ungarn, “damit sie in ihrer Heimat bleiben können”, und forderte die Wiederherstellung der Rechte in den Bereichen Kultur, Sprache, Verwaltung und Hochschulbildung.

Zelenskiy sagte gegenüber Bloomberg, er werde sich mit Magyar in einem bilateralen Format oder in einem anderen Rahmen treffen und fügte hinzu, dass man die Probleme der ungarischen Minderheit ansprechen werde und dass sie ukrainische Bürger wie alle anderen seien. Er deutete an, dass “nicht alles” geklärt sei, spielte aber das Ausmaß des Streits herunter.

Brüsseler Kontext: Hoffnung auf einen Reset, aber der Druck bleibt

Europäische Beamte hatten gehofft, dass Ungarns Haltung zur Ukraine nach Orbáns Abgang weicher werden könnte, da die neue Regierung sich bemüht, das Vertrauen in die EU-Institutionen wiederherzustellen und eingefrorene EU-Mittel freizugeben. Magyar hat bereits hochrangige Gespräche in Brüssel geführt, unter anderem mit der Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen und dem Präsidenten des Europäischen Rates António Costa, und die Gespräche als konstruktiv bezeichnet.

Das Dossier Ukraine bleibt jedoch politisch heikel. Die Verknüpfung von Beitrittsschritten mit Minderheitenrechten signalisiert Kontinuität in einer zentralen Frage: Ungarns langjährige Kritik an der ukrainischen Minderheiten- und Bildungspolitik, die den ungarischsprachigen Schulunterricht und den öffentlichen Gebrauch der Sprache in den Unterkarpaten betrifft.

Explainer: Wer sind die transkarpatischen Ungarn?

Die ethnische ungarische Gemeinschaft in der Ukraine konzentriert sich auf Zakarpattia (Transkarpatien, auf Ungarisch: Kárpátalja), eine Region an der Grenze zu Ungarn. Die Schätzungen variieren, aber in der internationalen Berichterstattung wird die Gemeinschaft üblicherweise auf etwa 150.000 Menschen geschätzt. Bei der letzten Volkszählung in der Ukraine (2001) wurden 156.600 ethnische Ungarn im Land gezählt, die überwiegend in Zakarpattia leben.

In den letzten zwei Jahrzehnten ist die Zahl der Ungarn in den Unterkarpaten aufgrund des von den ukrainischen Behörden und Politikern geschaffenen feindlichen Umfelds zurückgegangen. Der Krieg hat zu einem drastischen Rückgang der ungarischen Bevölkerung geführt. Optimistischen Schätzungen zufolge leben heute nur noch 75.000 Ungarn in der Ukraine – oder sogar noch weniger.

Für viele Ungarn ist das historische Argument von zentraler Bedeutung: Die ungarischen Stämme kamen um 895 in das Karpatenbecken, und ungarische Gemeinschaften leben seit mehr als einem Jahrtausend an den wechselnden Grenzen der Region.
Deshalb werden die Ungarn in den politischen Debatten Ungarns in den Unterkarpaten oft nicht als kürzlich zugewanderte, sondern als alteingesessene, einheimische Minderheit bezeichnet, deren Rechte ungeachtet der modernen Grenzen geschützt werden sollten.

Falls Sie es verpasst haben: Premierminister Péter Magyar und der ukrainische Präsident Zelensky treffen sich möglicherweise bald in den Unterkarpaten

Wie geht es weiter?

Die wichtigsten Fragen sind nun diplomatischer und verfahrenstechnischer Natur:

  • Wird Kiew Zugeständnisse machen? Magyars Bedingung ist eine Vorbedingung für die Unterstützung des Beginns der formellen EU-Beitrittsgespräche.
  • Wie stark wird Brüssel darauf drängen? Die Staats- und Regierungschefs der EU wollen Einigkeit in Bezug auf die Ukraine, aber die Beitrittsschritte erfordern immer noch eine politische Einigung zwischen den Mitgliedstaaten.
  • Was wird das Treffen zwischen Zelenskiy und Magyar bringen? Beide Seiten signalisieren Offenheit, aber sie sind sich nicht einig, ob es ein “echtes Problem” zu lösen gibt.

Im Moment versucht Magyar, zwei Botschaften gleichzeitig zu vermitteln: Er will Ungarns Ansehen in Brüssel wiederherstellen und gleichzeitig darauf bestehen, dass die Ungarn in den Unterkarpaten ihre Rechte zurückerhalten, die seiner Meinung nach seit Jahren eingeschränkt wurden. Ob dies eine Brücke zu besseren Beziehungen zu Kiew wird – oder ein neuer Stolperstein auf dem Weg der Ukraine in die EU – wird wahrscheinlich davon abhängen, welche konkreten Schritte in den kommenden Wochen folgen werden.

Die ungarische Gesellschaft ist sich in dieser Frage einig und unterstützt die Wiederherstellung der grundlegenden Minderheitenrechte der in der Ukraine lebenden Ungarn. Die größte Frage ist, warum Zelenskyy in dieser Angelegenheit nicht einlenkt. Das ist genau der Grund, den die Regierung Orbán seit Jahren anführt, um ihre Blockade der Hilfe für die Ukraine zu rechtfertigen.

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